Lexikon der Filmbegriffe

Gordischer Knoten


Gelegentlich wird in der Dramaturgie die Metapher vom „Gordischen Knoten“ verwendet. Das Bild weist zurück auf die antike Geschichte von kunstvoll verknoteten Stricken, die von den Göttern selbst am Streitwagen des Königs Gordios von Phrygien, um die Deichsel untrennbar mit dem Wagen zu verbinden; der Sage nach werde derjenige, der den Knoten löse, die Herrschaft über Asien antreten – es war Alexander der Große, der den Knoten einfach mit seinem Schwert durchgeschlagen hat. Redet man heute vom „Gordischen Knoten“ oder vom Durchschlagen desselben, bezieht man sich auf einen dramatischen Konflikt, der so komplex ist, dass eine Auflösung unmöglich erscheint – und die nun doch erreicht wird, und sei es durch den Eingriff äußerer Mächte (den „Gott aus der Maschine“) oder sogar den Eingriff des Erzählers. Derartige Szenarien gehören also dem Feld der überraschenden und unerwartbaren Lösungen an.


Literatur: Vogel, Juliane: Verstrickungskünste. Lösungskünste: Zur Geschichte des dramatischen Knotens. In: Der Gordische Knoten. Lösungsszenarien in Wissenschaft und Kunst. Hrsg. v. Wolfgang Gratzer [...]. Wien [...]: Lit 2014, S. 111-130. 


Referenzen:

coup de foudre

deus ex machina

Theatercoup


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2016


Verfasser: JvH


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