Lexikon der Filmbegriffe

Neues Sehen

Das Neue Sehen bezeichnet eine spezifische Stilrichtung in der Fotografie, die sich in den 1920ern entwickelt hat. Die Bildsprache des Neuen Sehens möchte festgefahrene Strukturen in Bezug auf Komposition und Beleuchtung bzw. Belichtung auflockern oder auf den Kopf stellen. Anstelle dessen wird eine dynamische Ausrichtung postuliert, die sich dem gesellschaftlichen Fortschritt anpassen und diesen entsprechend dokumentieren soll. Vor allen Dingen die jungen russischen Konstruktivisten um Rodtschenko und die zunehmende Zahl der Photographen am Bauhaus wollten in interessanten Blickwinkeln (extremen Auf‑ oder Untersichten, Verkantungen etc.) ihre Umgebung darstellen. Auch experimentiert man mit Licht und Schatten, was im Endergebnis häufig zu großen, schattigen Bildpartien führte. Kompositorisch legt sich das Neue Sehen auf keinerlei Regelungen fest. Vielmehr wurden kreative Impulse auf abzubildende Sujets angewandt, um eine neue Interpretation des reproduktiven Moments in der Photographie zu schaffen.


Literatur: Haus, Andreas / Frizot, Michel: Stilfiguren. Das Neue Sehen und die Fotografie. In: Michel Frizot (Hrsg.): Neue Geschichte der Fotografie. Köln: Könemann 1998, S. 457-475. 

Referenzen:

Exzentrische Perspektiven


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2016


Verfasser: W


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