Lexikon der Filmbegriffe

Sandanimation

auch: Sand‑auf‑Glas‑Animation; selten: Sandkunst; engl.: (live) sand art


Bei einer Sand‑Performance zeichnet der Künstler mit seinen Fingern Linien und Figuren auf eine mit Sand bestreute Fläche bzw. streut neuen Sand auf leere Flächen, so dass eine Serie von Bildern entsteht. Häufig wird die Fläche von unten beleuchtet; die Bilder einer solchen Live-Animation werden projiziert und so für das Publikum sichtbar. Ähnlich wird bei performativen Sand-Animationsfilmen verfahren; man kann Filme aber auch so erstellen, dass auf einer von vorne oder hinten beleuchteten Glasplatte oder einem Leuchttisch einzelne Bilder aus Sand erstellt werden, die erst später zu einer Bildfolge oder Sequenz synthetisiert werden.


Sand-Animationen wurden erst in den 2000ern als Auftritte in Unterhaltungssendungen beliebt (wie etwa Natalya Netselya, die nach einer TV-Show mit der Musikgruppe The Kelly Family auf Tournee ging, die Ukrainerin Ksenija Symonowa oder der Ungar Ferenc Cakó, deren Auftritte vor allem über Youtube verbreitet wurden). Filme im Sandanimations-Verfahren nutzen die Differenz zwischen der amorphen und sich schnell verändernden Qualität des Sandes (der gewissermaßen zwischen den Zuständen ,fest‘ und ,flüssig‘ schwebt), der dabei aber feste Konturen und eine erkennbare Körnung behält (die vor allem bei Schräglicht sichtbar werden), um einen spezifischen ästhetisch-reflexiven Effekt zu erzielen. Zu den bekanntesten Filmen zählen Sand, or Peter and the Wolf (Kanada 1968, Caroline Leaf), Sandman (USA 1973, Eliot Noyes, Jr.), The Owl Who Married a Goose: An Eskimo Legend (Kanada 1974, Caroline Leaf), Le château de sable (Kanada 1977, Co Hoedeman) oder The Comet's Tale (Großbritannien 1997, Gerald Conn). In den vergangenen Jahren entstanden Sandanimationen vor allem als Musikvideoclips (man denke an die Arbeiten von César Díaz Meléndez wie etwa No corras tanto, 2008).


Literatur: Zhu, Yongning / Bridson, Robert: Animating sand as a fluid. In: ACM Transactions on Graphics (TOG) – Proceedings of ACM SIGGRAPH 2005 TOG 24,3, July 2005, S. 965‑972. 


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2016


Verfasser: JvH


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