Lexikon der Filmbegriffe

Anima Vérité


Augenblickswendung, im Rückgriff auf cinéma vérité, kombiniert aus: anima[tion] + vérité


Die im Kontext der dokumentarischen Animation gelegentlich verwendete Kunstbezeichnung anima vérité spielt mit den verschiedenen Assoziationsfeldern von anima: Einerseits ist damit auf die Animation als Produktionsverfahren angespielt und wird sogar als Sammelbezeichnung für den „animierten Dokumentarfilm“ im allgemeinen verwendet; andererseits wird aber auch das Doppel von animus und anima aus der Archetypenlehre C.G. Jungs als semantischer Fluchtpunkt benannt, womit so etwas wie ,Seele‘, ,Geist‘ oder – in Jungs Interpretation – die als archetypisch angesehene innere, unbewusste Persönlichkeit oder als eine dem Unbewussten zugehörige innere Einstellung gemeint ist. Entsprechend meint anima vérité in dieser zweiten Auslegung eine filmische Arbeit, die eine Wahrheit der Darstellung erreicht, die eine dem Bewusstsein oft unzugängliche Authentizität der Wesensdarstellung erreicht. Als Beispiel wird neben Waltz with Bashir (Israel [...] 2008, Ari Folman) auch der autobiographisch motivierte L'image manquante (Frankreich/Kambodscha 2013, Rithy Panh) genannt, in dem die Massenmorde der Roten Khmer mithilfe von Lehmfiguren nachgestellt werden.



Einer der ersten Belege für die Formulierung stammt von dem ungarischen Animationsfilmer György Kovásznai (1971).


Literatur: Iványi‑Bitter, Brigitta / Cseh, Szilvia (eds.): Kovásznai. Budapest: Vince Books 2010.

Referenzen:

Animadok


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2016


Verfasser: JvH


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