Lexikon der Filmbegriffe

BBC


Abkürzung von: British Broadcasting Corporation


Zunächst als Gemeinschaftsunternehmen verschiedener Elektrogerätehersteller gegründet, begann der tägliche Sendebetrieb am 14.11.1922. Aufgrund der Bedeutung des Rundfunks für die öffentliche Meinung, kam es 1926/27 zu einer Umstrukturierung in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit dem Namen British Broadcasting Corporation. Ihr erster Director General John Reith beschrieb die Aufgaben in der Trias „to inform, educate and entertain“, die bis heute die Programmgestaltung und Ausrichtung der BBC prägt. Unter Reiths Einfluss wurde die BBC bis zu seinem Ausscheiden Ende der 1930er zu einer weitgehend eigenständigen Institution ausgebaut, die sich primär aus Gebührengeldern (licence fee) finanziert. Werbung ist der BBC nicht gestattet: Als öffentlich-rechtlicher Radio- und seit 1936 auch Fernsehsender sollte die BBC unabhängig gegenüber politischen und kommerziellen Interessen sein. Der Sendeauftrag der BBC ist in einer Royal Charter festgeschrieben, er umfasst einerseits die Förderung von Staatsbürgerschaft und Zivilgesellschaft, Bildung, Kreativität und kultureller Errungenschaften, formuliert aber auch den Auftrag, den Menschen in Großbritannien und der Welt ein vielfältiges Bild der britischen Kultur zu vermitteln. Überwacht werden die Aktivitäten des öffentlich-rechtlichen Senders durch den BBC Trust (ehemalig: BBC Board of Governors).


Die Monopolstellung der BBC in Großbritannien bestand bis 1954 (Fernsehen) bzw. 1972 (Radio). Zahlreiche Regionalstudios sorgen für eine stärkere dezentrale Sendestruktur als in den Anfangsjahren.



Als wichtiger Produzent von Fernsehserien (BBC Television) kann die BBC seit der Ausstrahlung ihres ersten Fernsehdramas The Man with the Flower in His Mouth (1930) auf eine lange Tradition zurückblicken. Unter der Leitung Val Gielguds und später Michael Barrys hat das BBC Drama Department in den 1950ern zahlreiche erfolgreiche Eigenproduktionen verwirklicht. In den 1960ern kam es zu einer Hochphase von Fernsehproduktionen, einem „goldenen Zeitalter“. Zu den bis heute bekannten Fernsehproduktionen der BBC gehören Fernsehspiele (wie Ken Loachs Cathy Come Home, 1966), Dokumentationen (z.B. Kenneth Clarks Civilisation, 1969, und Jacob Bronowskis Ascent of Men, 1973), Kurzspielfilme (man denke etwa an Peter Watkins kontroverse Dystopie The War Game – die 1965 gedreht wurde und zunächst nicht ausgestrahlt wurde) ebenso wie historische Dramen (z.B. Pride and Prejudice, 1995), Seifenopern (EastEnders, 1985-), Comedy (z.B. Monty Python’s Flying Circus, 1969-74 und Blackadder, 1983-89) und Science Fiction Serien (z.B. DR Who, 1963-).


Seit den 1970er Jahren investiert die BBC auch vermehrt in Filmproduktionen (BBC Films). Das Budget dieser Aktivitäten stieg in den letzten Jahren auf 9 Millionen Pfund jährlich.


Literatur: Asa Briggs: The BBC: The First Fifty Years. Oxford: Oxford University Press 1985. – Ders.: The History of Broadcasting in the United Kingdom. 4. Bände. Oxford: Oxford University Press 1961-1995. – Alban Webb: London Calling: Britain, the BBC World Service and the Cold War. London [...]: Bloomsbury 2014. – Robin Aitken (ed.): Can We Still Trust the BBC? London [...]: Bloomsbury 2013. – Anya Luscombe: Forty Years of BBC Radio News: From the Swinging Sixtiesto the Turbulent Noughties. Frankfurt [...]: Lang 2003. – Simon J. Potter: Broadcasting Empire: The BBC and the British World, 1922-1970. Oxford: Oxford University Press 2012. – Richard Hewett: Acting for Auntie. From Studio Realism to Location Realism in BBC Television Drama, 1953-2008. PhD-Thesis, University of Nottingham 2012.


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2016


Verfasser: THO


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