Lexikon der Filmbegriffe

Bond-Girls

wörtlich „Bond-Mädchen“; auch im Dt. üblich


Als Bond-Girls werden die Partnerinnen von James Bond bezeichnet – obwohl sie bereits in Ian Flemings Romanen auftreten, werden sie erst durch den Erfolg der ab 1962 produzierten Blockbuster-Spektakel zum popkulturellen Phänomen. Im Bond-Girl verbinden sich Playboy-Kult, modische Trends (Ursula Andress verhilft mit ihrem Auftritt in Dr. No [Terence Young, 1962] dem Bikini zum globalen Siegeszug) und sexuelle Libertinage. Als Sexpartnerin empfehlen sich Bond-Girls bereits mit ihren wenig subtilen Namen (Pussy Galore, Holly Goodhead); die sexuelle Allianz mit dem hyperpotenten Spion konnotiert Dienst an der guten Sache‘, während sexuelle Devianz unweigerlich Kriminalität signalisiert (Goldfinger, 1964, Guy Hamilton).


Lange Zeit traten Bond-Girls lediglich als eine von Models wie Claudine Auger oder Britt Ekland verkörperte, ganz dem male gaze unterworfene chauvinistische Fantasie in Erscheinung: pro Film wurde eine verführt, eine beerdigt, eine gerettet. Auf dem sexistischen Tiefpunkt becircte Roger Moore als James Bond reihenweise gut 30 Jahre jüngere Frauen, die wenig mehr als hilflose damsels in distresswaren. Erst allmählich fanden wichtige Zäsuren statt: Das erste afroamerikanische Bond-Girl Gloria Hendry (Live and Let Die, 1973. Guy Hamilton), Bonds kurzzeitige Monogamie im AIDS-Zeitalter (The Living Daylights, 1987, John Glen) oder Auftritte facettenreicher Gegenspielerinnen (The World Is Not Enough, 1999, Michael Apted) signalisierten den Übergang zu einer Neukonzeptionierung der Bond-Girl-Rollen, die eher von ,Bond-Women’ als Bond-Girls realisiert werden. Judi Dench tritt zudem als Geheimdienstchefin M eher als symbolische Ersatzmutter Bonds in Erscheinung, erfüllt aber z.T. auch die dramaturgische Funktion des Bond-Girls (Skyfall, 2012, Sam Mendes). 


Literatur: Böger, Astrid: Zum Sterben schön: Das Bond-Girl als modische Projektionsfläche. In: James Bond: Anatomie eines Mythos. Hrsg. von Marc Föcking / Astrid Böger. Heidelberg: Winter 2012, S. 169-184. – Bold, Christine. ,Under the Very Skirts of Britannia‘: Re-Reading Women in the James Bond Novels. In: The James Bond Phenomenon: A Critical Reader. Ed. by Christoph Lindner. Manchester: Manchester University Press 2009, S. 205-219. – Funnell, Lisa (ed.): For His Eyes Only: The Women of James Bond. London/New York: Wallflower 2015.


Artikel zuletzt geändert am 11.10.2016


Verfasser: WIS


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