Lexikon der Filmbegriffe

Carry-On-Filme

im Dt. auch: Ist-ja-irre-Filme


Bei den Carry-On-Filmen handelt es sich um eine Reihe zwischen 1958 und 1978 produzierter Komödien, die v.a. in Großbritannien jahrelang verlässlich ein Millionenpublikum anlockten und sich auch dank vielfältiger Franchise-Aktivität (Bühnenprogramme, TV-Serien, Syndication und Revivals) bis heute großer Bekanntheit erfreuen.


Zunächst der Tradition der Ealing-Komödie verpflichtet, verspotten die frühen, in Schwarzweiß gedrehten Folgen (1958-1961) Institutionen wie Schule, Militär und Polizei, später erweitern historische Settings undspoofs populärer Genres wie Agentenfilm (Carry On Spying, 1964) oder Hammer-Horror (Carry On Screaming!, 1966) die thematische Bandbreite. Im Zuge der sogenannten ,sexuellen Revolution‘ entwickelt sich die Reihe immer mehr in Richtung frivoler Sexkomödien (Carry On Loving, 1970), zum Markenzeichen avancieren Zoten und Zweideutigkeiten aus der Feder des Drehbuchautors Talbot Rothwell.


Personelle Kontinuität herrscht nicht nur hinter der Kamera (sämtliche 31 Filme inszeniert Gerald Thomas), sondern auch davor: Akteure wie Sidney James (als ,dirty old man‘), Hattie Jacques (als Matrone) oder Kenneth Williams (als verklemmte Autoritätsperson) verkörpern unveränderliche Figuren; viele Elemente der Typenkomik sind aus der englischen Music-Hall-Tradition entlehnt.


Obwohl die Carry-On-Komödien mit ihrer ,Am-Schluss-wird-geheiratet‘-Moral der Sexfilmwelle der 1970er nicht mehr beikommen (Carry On Emmanuelle, 1978), sind sie mehr als ein Zeitdokument kleinbürgerlicher Prüderie; z.T. liefern die Filme gekonnte satirische Spitzen gegen Inselmentalität und Imperialismusgebaren (Carry On ¼ Up the Khyber, 1968).


Literatur: Probert, Rebecca: Carry On Up the Aisle! In: Law and Humanities 6,1, 2012, S. 41-56. – Webber, Richard: 50 Years of Carry On. London: Arrow Books 2009. 


Artikel zuletzt geändert am 11.10.2016


Verfasser: WIS


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