Lexikon der Filmbegriffe

negative campaigning

aus den USA kommende Bezeichnung; auch im Dt. verbreitet; engl. selten: mudslinging; dt. selten: Schmutzkübelkampagne


Formen insbesondere politischer Öffentlichkeitsarbeit, mittels derer das Ansehen von Konkurrenten oder Gegnern beschädigt oder deren Image negativ beeinflusst werden soll, werden oft negative campaigning bezeichnet. Wenn dabei insbesondere private, aber auch öffentliche oder geschäftliche Verfehlungen instrumentalisiert werden, um die betreffende Person, Partei, oder Organisation gezielt zu skandalisieren, geht es nicht um Kriminalisierung, sondern und Beschädigungen des öffentlichen Ansehens bis zum Rufmord.


Im Film sind Strategien derartig diffamierender öffentlicher Kommunikation über Gegner oder Konkurrenten mehrfach als Strategie politischen Wettbewerbs dargestellt worden und beziehen sich dann fast immer auf die sexuellen Orientierungen und Praktiken einzelner Kandidaten. So wird einer der beiden Bewerber um die Spitzenkandidatur einer Partei in The Best Man (USA 1963, Franklin Schaffner) homosexueller Neigungen und Aktivitäten bezichtigt (ähnlich: Barocco, Frankreich 1976, André Téchiné). In The Contender (USA [...] 2000, Rod Lurie) wird eine Vizepräsidentschaftskandidatin mit sexuellen Ausschweifungen in Verbindung gebracht. Selten werden finanzielle Interessen oder Verfehlungen zum Thema der Kampagne (wie in Mr. Smith Goes to Washington, USA 1939, Frank Capra).


Der TV-Werbeclip Daisy (auch bekannt als Daisy Girl oder Peace, Little Girl) aus dem Präsidentschaftswahlkampf Lyndon B. Johnsons (1964), der ein etwa fünfjähriges Mädchen zeigt, das die Blätter einer Blüte zupft und dabei unbeholfen zählt, was wiederum in einen Countdown übergeht, der mit einer Atombombenexplosion abgeschlossen wird, zerstörte die Popularität von Johnsons Konkurrent Barry Goldwater und brachte Johnson den Sieg der Wahl.


Literatur:  Fridkin, Kim Lesley / Kenney, Patrick J.: Do Negative Messages Work? The Impact of Negativity on Citizens’ Evaluations of Candidates. In: American Politics Research 32,5 (=570), 2004, S. 570‑602. – Mark, David: Going Dirty. The Art of Negative Campaigning. Lanham, Md.: Rowman & Littlefield 2009. 


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2016


Verfasser: HHM


Zurück