Lexikon der Filmbegriffe

dialektische Montage

auch: Kollisionsmontage, intellektuelle Montage


Basierend auf den Kuleshov-Experimenten konzipierte Sergei Eisenstein seine erste Montagetheorie, die davon ausging, dass aus der Alternation zweier voneinander unabhängiger Bilderfolgen – die allerdings semantisch zusammenhängen – in der Rezeption ein Schluss auf ein unsichtbares Drittes erfolge, mittels dessen der Zuschauer einen sinnvollen Zusammenhang zwischen den beiden Bilderreihen herstellt. Aus der Kollision der Einstellungen entsteht so eine neue Einheit, die einen neuen Sinn produziert. Weil intellektuelle Eigenleistungen des Zuschauers erforderlich sind, ist die „dialektische Montage“ ein zentrales Mittel einer revolutionären Didaktik des Films: Zumindest in der Theorie generiert sie politische Einsichten, nach dem Muster der Dialektik als Methodik des Fortschreitens des Denkens. Neben Beispielen aus Eisensteins Filmen wird oft eine Sequenz aus Wsewolod Pudowkins Revolutionsepos Konjez Sankt Petersburga (Die letzten Tage von Sankt Petersburg, UdSSR 1927) erwähnt, in der man Bilder von Soldaten im Schützengraben alternierend mit Spekulanten an der Börse zeigt, die die steigenden Börsenkurse feiern; so deutlich der konzeptuelle Zusammenhang der beiden Bilderreihen sowieso schon ist, wirkt ein Zwischentitel („Wofür sterben wir?“) noch wie eine Instruktion für den Prozess der schlussfolgernden Synthese der beiden Themen der Alternation. 

Referenzen:

Assoziationsmontage

intellektuelle Montage

Kollisionsmontage

Kontrastmontage


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2016


Verfasser: JvH


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