Lexikon der Filmbegriffe

película costumbrista

von span.: costumbre = Brauchtum, Landessitte; engl. meist: period film; selten auch: film of manners; der costumbristo (auch dt.: Kostumbrismus) ist eine literarische Strömung von etwa 1830 bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sich auch in die Bildenden Künste hinein auswirkte und in Film- und Fernsehproduktionen bis heute nachwirkt


Filme (meist Komödien im Stil der sainete [Farce], Musikfilme und Dramen, es finden sich aber auch Horrorfilme in der Gruppe), die die Spezifika einer Region darstellen oder auf den Sitten und Gebräuchen spezifischer Regionen der spanisch- und portugiesischsprachigen Welt basieren und aus diesen lokalen Besonderheiten ihr dramatisches Potential schöpfen. Erste filmische Adaptionen finden sich in Spanien bereits in der Stummfilm-, vermehrt dann mit Beginn der Tonfilmzeit (wie etwa die Musikkomödie La Verbena de la paloma, 1935, Benito Perojo, nach einer spanischen Zarzuela). Die bis heute andauernde Auseinandersetzung der Filme des costumbristo den angestammten Formen kulturellen Lebens gilt zum einen als Selbstvergewisserung der Traditionen der hispanischen Gesellschaften und als moderne Form eines aktiven historischen Gedächtnisses, zum zweiten als Strategie der Findung kultureller und sozialer Identität – vor allem in ethnischen und nationalen Minderheiten – unter der Bedingung massiver ökonomischer, sozialer und politischer Umbrüche (in Spanien insbesondere im Gefolge der Franco-Diktatur) sowie zum dritten als Agentur der (oft ironisch gebrochenen) Bewahrung der Ausdrucksformen der bis in die jüngste Zeit unterdrückten Klassen.


Von dieser engeren historischen Auslegung des Begriffs abweichend wird das cine columbrista heute viel allgemeiner als Bezeichnung für „Heimatfilme“ auch anderer Herkunftsländer benutzt.


Literatur: Marsh, Steven: City, Costumbrismo and Stereotypes: Populist Discourse and Popular Culture in Edgar Neville’s El crimen de la Calle de Bordadores (1946). In: Studies in Hispanic Cinemas 1,1, 2004, S. 27‑41. –


Colmeiro, José: Nation of Ghosts?: Haunting, Historical Memory and Forgetting in Post‑Franco Spain. In: 452ºF. Electronic Journal of Theory of Literature and Comparative Literature, 4, 2011, S. 17‑34, URL:  http://www.452f.com/index.php/en/jose‑colmeiro.html. – Traninger, Anita: Pedro Almodóvars frühe Filme zwischen ,Movida ‘und ,costumbrismo ‘. In: Germanisch‑Romanische Monatsschrift 65,4, 2015, S. 479‑493. - Goicoa, David: From Paradise to Parody: The Transformation of the Rural Arcadia in Basque Film. In: Bulletin of Hispanic Studies 90,4, 2013, S. 459‑474. – Jaurrieta Bariain, Garbine: Refiguring Spanish cultures. An approach to “Spanishnesses” through the film costumbrismo of the early 1990s in Spain. M.A. Thesis, University of Utrect, Faculty of Humanities 2015, URL: http://dspace.library.uu.nl/handle/1874/320446. 


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2017


Verfasser: KB


Zurück