Lexikon der Filmbegriffe

Minstrel Show

auch: Blackface Minstrelsy
In der Minstrel Show werden Stereotype des Schwarzer-Seins von schwarz geschminkten Weißen dargestellt. Sie wurde um 1830 im Norden der USA populär, wurde seitdem (auch im Film) immer wieder als karikaturesk-belustigende Show-Einlage vor allem in Verbindung mit Musik eingesetzt; gerade Jazz und Bluesmusiker (wie etwa Jelly Roll Morton, W.C. Handy, Ma Rainey und Bessie Smith traten zunächst in Minstrel Shows auf). Zu den Stereotypen gehörten fröhliche, singende und naive Sklaven, die sich trotz erniedrigender Arbeitsbedingungen und armseligster Wohn- und Lebensverhältnisse in ihre Lage fügen und dabei sogar noch die weißen Herren lieben und verehren. Als Gründe für die Popularität der Minstrelsy wurde vor allem die Darstellung einer vor- oder dezivilisierten Unkontrolliertheit, Ungezügeltheit, ja Wildheit der Bewegungen der Schwarzen, der gegenüber sich das weiße Publikum als zivilisierte Subjekte positionieren konnten (so dass whiteness als kultureller Wert installiert wurde), auf diesem Wege mögliche revolutionäre Impulse der Arbeiterschaft der nördlichen USA auf das Selbsterlebnis einer symbolischen Bürgerlichkeit gegenüber der schwarzen Minderheit umlenkend.
Elemente der minstrelsy show wanderten als Nummern in die Vaudeville-Shows ein, wurden schließlich eng mit den Darstellungsformen des Jazz verbunden. The Jazz Singer (1927) markierte einen Übergang der Minstrel-Formen in den Film. In den zahlreichen jazz shorts der 1930er und 1940er waren sie ein Basis-Element der Performance-Inszenierung. Doch auch in großen Hollywood-Produktionen bleibt die minstrelsy als Show-Element erhalten – so traten Fred Astaire in Swing Time (1936), Judy Garland und Mickey Rooney in Babes in Arms (1939) oder Bing Crosby in Holiday Inn (1942) als Blackface-Darsteller auf. Spike Lees Sozialsatire Bamboozled (2000) sucht die sozialhistorischen und ideologischen Grundlagen des Minstrels selbst zu thematisieren.
Literatur: Bean, Annemarie / Hatch, James V. / McNamara, Brooks (eds.): Inside the minstrel mask. Readings in nineteenth century blackface minstrelsy. Hanover, N.H.: Wesleyan University Press 1996. – Rogin, Michael: Black masks, white skin: Consciousness of class and American national culture. In: Radical History Review, 54, 1992, S. 141 152. – Bucholtz, Mary / Lopez, Qiuana: Performing blackness, forming whiteness: Linguistic minstrelsy in Hollywood film. In: Journal of Sociolinguistics 15,5, 2011, S. 680 706. – Hauswedell, Charlotte: Love and Theft und Bamboozled. Die MinstrelShow in Theorie und Film. In: Black, white & in between. Hrsg. v. Laura Bieger. Aachen: Shaker 2008, S. 176-194. – Nowatzki, Robert: “Blackin'up is us Doin'White Folks Doin'Us”: Blackface Minstrelsy and Racial Performance in Contemporary American Fiction and Film. In: Literature Interpretation Theory 18,2, 2007, S. 115 136.

Referenzen:

Blackface


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2017


Verfasser: CA


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