Lexikon der Filmbegriffe

comedy of menace

engl., dt.: Bedrohung; Wortspiel über dem Genrebegriff comedy of manners (= Sitten- und Gesellschaftskomödie); dt. etwa: „Komödie des Chaos“


In der Kritik entstandene Bezeichnung der Stücke von Harold Pinter (etwa: The Caretaker, 1959/60, verfilmt 1963, Großbritannien 1963, Clive Donner; mehrere weitere Verfilmungen). Komödien dieses Typs spielen mit der latenten Präsenz einer Bedrohung, so dass der Zuschauer immer gezwungen ist, einander widersprechende kognitive und emotionale Hypothesen über einzelne Charaktere und den Stand des Konfliktes zu aktivieren. Wenn jemand lachend seine Waffe vorbereitet, um einen anderen zu töten, entsteht eine in sich widersprüchliche Situation, auf die der Zuschauer mit einer Konfusion der eigenen Haltung dem Geschehen gegenüber reagiert, weil die Vertrauenswürdigkeit einer Figur der Handlung in Zweifel gezogen wird. Derartige Komödien sind ein Sonderfall der „schwarzen Komödie“, nehmen Impulse des absurden Erzählens und Theaters auf. Latente Gewalttätigkeit vor allem in familialen und erotischen Beziehungen und deren inneren Kontroll- und Machtstrukturen gehört zur Sozialanalytik, die die Stücke auch betreiben.


Literatur: Heitmann, Hans‑Dieter: Dramaturgie des Raumes. Eine literaturkritische Analyse an Hand von Harold Pinters „Comedies of menace“. Sankt Augustin: Richarz 1982 (Duisburger Studien. 8.). - Schnierer, Paul: Modernes englisches Drama und Theater seit 1945. Eine Einführung. Tübingen:  Narr 1997, S. 76‑83. - Gill, R.B.: in Good Faith: The Laughter of Vonnegut, Grass, and Kundera. In: Critique: Studies in Contemporary Fiction 25,2, 1984, S. 77‑91.


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2017


Verfasser: AS


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