Lexikon der Filmbegriffe

culture clash comedies

engl., von: culture clash = Zusammenprall von Kulturen; auch dt.: Culture-Clash-Komödien; selten auch: Clash‑of‑Culture‑Komödie


Seit den 1980ern sind eine ganze Reihe von Filmen entstanden, die die Suche von Heranwachsenden und jungen Erwachsenen nach kultureller Identität thematisieren. Zu den Filmen gehören East Is East (Großbritannien 1999, Damien O’Donnell) oder Ae Fond Kiss (Großbritannien 2004, Ken Loach) über den Konflikt englischer und pakistanisch-muslimischer Familien, Pressure (Großbritannien 1976, Horace Ové) über einen jungen Immigraten aus Trinidad in England, Yasemin (BRD 1988, Hark Bohm) über die Liebe einer jungen türkischstämmigen Schülerin und einem deutschen Studenten, Geschwister ‑ Kardesler (BRD 1996, Thomas Arslan) über die verschiedenen Wege türkischer Geschwister in Berlin, sich in die deutsche Kultur einzuleben, Le Thé au harem d‘Archimède (Frankreich 1985, Mehdi Charef) oder Samia (Frankreich 2000, Philippe Faucon) über das Leben maghrebinischer Jugendlicher in den Pariser Vorstädten. Es sind immer diasporische Lebensverhältnisse in einem kulturellen „Zwischen“ bzw. in einer Doppeldefinition von Identität und lokaler Verankerung, meist verbunden mit Widersprüchen zwischen traditionellen Familienwerten und dem Umfeld einer liberal-konsumistischen westlichen Lebenswelt. Es nimmt nicht wunder, dass die Welle von Filmen des Themenfeldes vor allem in Europa lokalisiert ist, antwortend auf die zunehmende Bedeutung der Migration für die europäischen Gesellschaften. Geradezu burlesk adaptiert Qu’est‑ce qu’on a fait au Bon Dieu? (Frankreich 2014, Philippe de Chauveron) das Thema: Die vier Töchter bringen einen jüdischen Geschäftsmann, einen algerisch-muslimischen Rechtsanwalt, einen chinesischstämmigen Banker und einen afrikanischen Schauspieler aus der Elfenbeinküste in das konservative Haus ihres Vaters, einen gaullistisch-national gesinnten Notar.


In das Randfeld des Themas gehören Komödien meist amerikanischer Herkunft über interrassistische Beziehungen (wie Guess Who‘s Coming to Dinner, USA 1967, Stanley Kramer), über Differenzen zwischen deutscher und polnischer Kultur (etwa in Polnische Ostern, BRD/Polen 2011, Jakob Ziemnicki), eine Inderin in New York in English Vinglish (Indien 2012, Gauri Shinde), über die vorurteilsbehaftete Arroganz (deutscher) Touristen im Gastland (wie in Man spricht deutsh, BRD 1987, Hanns Christian Müller) – über das gesamte Feld tatsächlicher Unterschiede des täglichen Lebens wie auch der Voreingenommenheiten gegenüber dem Fremden in einem weiteren Sinne.


Literatur: Berghahn, Daniela: Coming of Age in the Hood. The Diasporic Youth Film and Questions of Genre. In: European Cinema in Motion. Migrant and Diasporic Film in Contemporary Europe. Ed. by Daniela Berghahn & Claudia Sternberg. Basingstoke: Palgrave Macmillan 2010, S. 235‑255. – Vestrich, Roy M.: The Culture-Clash Comedies of the 1980s. In: Beyond the Stars II. Plot Conventions in American Popular Film. Ed. by Paul Loudikes & Linda K. Fuller. Boling Green, Ohio: Bowling Green State University Press 1991, S. 170-184. – Nies, Martin: Culture‑Clash‑Komödien der Gegenwart. Konzeptionen von Transkulturalität, Differenzkulturalität und Gender in Türkisch für Anfänger, Fack ju Göhte und Zwei Familien auf der Palme. In: Schriften zur Kultur- und Mediensemiotik, 1, 2015, S. 65-96.

Referenzen:

Kulturkontrast


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2017


Verfasser: HHM


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