Lexikon der Filmbegriffe

Geyer-Werke

Am 15.7.1911 gründete Karl August Geyer in Berlin‑Lankwitz eine Kino‑Kopier‑Gesellschaft m.b.H. Geyer legte mit dieser ersten Filmkopieranstalt Deutschlands den Grundstein für das Entstehen eines neuen Dienstleistungszweigs in der Filmindustrie, die Postproduktion. Aufgrund der damals verwendeten Nitrozellulose brach am 17.9.1917 ein Großfeuer aus, das einen großen Teil des Filmlagers vernichtete. Im Jahr 1918 wurde die „Geyer‑Maschinenbau GmbH“, die sich der Produktion von Filmkameras, Filmschnittapparaten und ähnlichem gewidmet hatte, aus den Geyer‑Werken ausgegliedert, sie verlegten ab 1924 auch ihren Firmensitz. Geyer rationalisierte 1922 die zuvor zeitaufwändige manuelle Herstellung von Vorführkopien durch eigens entwickelte Maschinen und Verfahren. Seine erste Eigenkonstruktion war z.B. eine Perforiermaschine mit beidseitiger Vierlochstanzung. 1926 wurde das Unternehmen in Geyer‑Werke AG umbenannt, mit Sitz im Stadtteil Berlin‑Neukölln, in dem die Firma bereits seit 1911 residierte.


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Geyer‑Werke GmbH 1949 in Hamburg‑Rahlstedt neu gegründet, 1954 wurden auch die Geyer‑Werke in Berlin wieder eröffnet. Die Hamburger Geyer‑Werke synchronisierten und vervielfältigten ab Januar 1950 die Filme der Neuen Deutschen Wochenschau, die zuvor in einem direkt angrenzenden Gebäude geschnitten worden waren. Anfang der 1960er, nachdem das neue Medium Fernsehen weite Verbreitung gefunden hatte, nahm Geyer auch die Videopostproduktion ins Unternehmensprogramm auf, 1961 auch Synchronisationsstudios. Seit 1967 waren die Geyer‑Werke auf dem Gelände der FSM in München‑Unterföhring vertreten. Seit Anfang 1988 gehörten das Kopierwerk und die Videotransform der Bavaria Film GmbH in Geiselgasteig zur Hamburger Geyer‑Werke GmbH. Im Gegenzug war die Bavaria Film GmbH seither mit etwa 25 % an den Geyer‑Werken beteiligt. 1989 übernahm die Geyer‑Werke GmbH das „Atlantik Film“‑Kopierwerk in Hamburg‑Ohlstedt, 1999 die „Bavaria Ton“, eines der größten und modernsten Tonstudios in Deutschland. 1996 übernahm die CineMedia Film AG die Mehrheit der Anteile an der Geyer‑Gruppe. 


Literatur: Fünfzig Jahre Geyer Kopie. Geyer Werke Berlin und Hamburg, 1911-1961. Berlin [...]: Geyer‑Werke 1961. – Koerber, Martin: Die Filmfabrik. Eine Firmengeschichte der Geyer‑Werke. In: Nahaufnahme Neukölln. Kinos, Kameras, Kopiermaschinen. [Katalog zur Ausstellung „Nahaufnahme Neukölln, Kinos, Kameras, Kopiermaschinen“ im Emil‑Fischer‑Heimatmuseum Neukölln, 20.10.1989 bis 8.4.1990. Katalogred.: Dorothea Stanic.] Berlin: Argon 1989, S. 112-153.

Referenzen:

Cine-Media Film


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2017


Verfasser: W JH


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