Lexikon der Filmbegriffe

confession film

manchmal auch: confession tale; dt. etwa: Beicht-/Geständnisfilm


Angang der 1930er wurden Filme über „gefallene Frauen“ – die ihrerseits wieder als women‘s pictures angesehen waren – in der zeitgenössischen US-Kritik des öfteren als confession films bezeichnet. Sie behandelten beispielsweise unverheiratete Mütter, die ihre Kinder allein aufziehen mussten, Frauen, die sich aufopferten, um die Familien der verheirateten Liebhaber zu schonen oder die zur Prostitution gezwungen waren, um ihre Familien zu ernähren. Zu den Beispielen gehören Filme wie Back Street (1932, John M. Stahl) mit Irene Dunne, Possessed (1931, Curtis Bernhardt) mit Joan Crawford, Safe in Hell (1931, William Wellman) mit Dorothy Mackaill oder Blonde Venus (1932, Josef von Sternberg) mit Marlene Dietrich. Die Filme beziehen ihre rezeptive Energie nicht nur aus dem moralischen Konflikt und aus dem intentionalen Anspruch, über die Gefahren einer Emanzipation der Frauen aus den Regeln der Ziemlichkeit zu informieren, sondern auch aus der Spannung zwischen dem – verwerflichen – Handeln der Protagonistinnen und der Sympathie, die sie als Schauspielerinnen genießen.


Der Begriff – der implizit auf die älteren Konzeptionen einer selbstbestimmten und die Moralforderungen brechenden Sexualität in diversen Romanen des 19.Jahrhunderts zurückweist – wird  heute gelegentlich im Diskurs über die narrative Geschlechterrollenpolitik des Hollywood-Kinos verwendet, wird aber für zeitgenössische Filme nicht mehr angewendet.


Literatur: Campbell, Marilyn: RKO's Fallen Women, 1930‑1933. In: The Velvet Light Trap 10, 1973, S. 13-16.

Referenzen:

gefallene Frau


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2017


Verfasser: CA


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