Lexikon der Filmbegriffe

Verbotsfilm

Vor allem aus den osteuropäischen Staaten der Zeit des Warschauer Paktes kennt man die Praxis, dass bereits fertiggestellte Filme mit Aufführungsverboten belegt wurden; sie landeten dann in den Regalen der Filmarchive (deshalb die Bezeichnung „Regalfilm“), wo sie – mit oft beträchtlicher Verzögerung – auf ihre Erst- oder Wiederaufführungen warten mussten, wenn sie überhaupt vor ein Publikum gelangten. Oft war es der Systemwechsel, der die Uraufführung ermöglichte. Ein bekanntes Beispiel ist Jiří Menzels Gesellschaftssatire Skrivránci na nittich (Lerchen am Faden, CSSR 1969), der erst auf der Berlinale 1990 seine verspätete Premiere erlebte (und mit dem Goldenen Bären und dem FIPRESCI-Preis der Filmkritik gleichzeitig ausgezeichnet wurde).


Andere Beispiele sind Andrej Rublov (UdSSR 1966, Andrej Tarkovskij), Komissar (Die Kommissarin, UdSSR 1967/68, Alexander Askoldow), Proshchanie s Matjory (Abschied von Matjora , UdSSR 1979, Elem Klimow), Sedmikrásky (Tausendschönchen, CSSR 1966, Vera Chytilová), Vtáckovia, siroty a blázni (Vögel, Waisen, Narren, CSSR 1969, Juraj Jakubisko), A tanú (Der Zeuge, Ungarn 1969, Péter Bacsó), Przesluchanie (Verhör einer Frau, Polen 1982, Ryszard Bugajski) oder Rani radovi (Frühe Werke, Jugoslawien 1969, Zelimir Zilnik). 

Referenzen:

Regalfilm


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2017


Verfasser: HHM


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