Lexikon der Filmbegriffe

Katastrophenfilm: Dramaturgie und Ästhetik

Der Handlungsaufbau des Katastrophenfilms ist starr und variationsarm: Ein idyllischer oder friedlicher Ort (Stadt, Dorf, Schiff, Flugzeug, Hochhaus usw.) wird meist überraschend bedroht oder zerstört. Die Warner vor dem Unglück werden nun zu Rettern, wachsen über sich hinaus und können eine kleine Gruppe in Sicherheit bringen. Die Gruppe als Notgemeinschaft kann symbolisch verstanden werden als Menschheit, im Retter feiert die klassische Heldenfigur ihr Comeback. Je nachdem, wann die Katastrophe im Film zeitlich platziert wird, steht deren Vermeidung, die Flucht oder die Rettung im Mittelpunkt. Parallel zum Katastrophenfilm und als Extremform eng verwandt gibt es den Endzeitfilm (manchmal auch: apokalyptischer Film).
Filmästhetisch hängt viel vom Aufwand und der technischen Realisierbarkeit von realistisch wirkenden Effekten und Tricks ab. Earthquake (1974) wurde mittels neuartiger Sensurroundtechnik präsentiert, bei der die Bässe der speziell dafür ausgestatteten Kinos die Kinositze und damit die Zuschauer erschütterten. In den 1990er Jahren ermöglichen digitale Filmeffekte bildintensivere Formen von Explosionen und Zerstörungen, die seither auch im Action- und Science-Fiction-Film Verwendung finden.
Rezeptionsästhetisch dominiert eine anarchische Freude an der Zerstörung, die durch die restaurativen Happy-Ends eingedämmt werden soll. In Erinnerung bleiben allerdings die Zerstörungsszenarien und nicht die harmonisierenden Filmenden.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: KJ


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