Lexikon der Filmbegriffe

Skurrilität

von lat.: scurrilitas = die Possenreißerei, scurra = Stutzer, Spaßmacher, Possenreißer; Bedeutung des älteren dt. Adjektivs: possenreißermäßig, possenreißerisch, possenhaft; engl.: scurrility (eng verwandt mit: vulgarism ) = Vulgarität)


Die heutige Bedeutung des Skurrilen erfasst das Bizarre, Exzentrische, Verschrobene, Absonderliche, Kauzige, Eigenwillige usw. von Personen oder (in der Fiktion) von Figuren der Handlung; es lässt sich also immer nur als Abweichung vom „Normalen“ bestimmen. Die skurrile Figur ist eine Figur außerhalb oder an den Grenzen der diegetisch-gesellschaftlichen Normalität; oft wird die Entscheidung der Figur, sich aus der Norm zu entfernen, mit Vorgeschichten ausgeschmückt, die auf vergangene Darstellungsstilistiken von Standeszugehörigkeit zurückweisen, manchmal auf traumatisierende Erlebnisse; oder sie wird als Figur an den Grenzen der Pathologie bestimmt (etwa als soziale Außenposition des Künstlers) oder in den Horizont von gesellschaftlichem Protest und Verweigerung gerückt. Skurrilität des Verhaltens kann als Lachanlass inszeniert sein, aber auch als Leidensausdruck, als (lebens-)politische Haltung oder als Indiz geistiger oder soziopathischer Behinderung. Aufmerksamkeit erregt die skurrile Figur aber allemal. In historischen Soziotypien wie dem Gecken oder dem Dandy ist Skurrilität ein ästhetisches Ziel von Selbstinszenierung.


Literatur: Bleicher, Joan Kristin: Skurrilitäten und Tabubrüche im Fernsehen. Ein Streifzug durch die Programmgeschichte. In: Sensation, Skurrilität und Tabus in den Medien. Hrsg. v. Sonja Ganguin & Uwe Sander. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwissenschaften 2006, S. 79-92. – Subversion and scurrility. Popular discourse in Europe from 1500 to the present . Ed. by Dermot Cavanagh a& Tim Kirk. Aldershot [...]: Ashgate 2000, bes. S. 1-10 („Subversion and scurrility in the politics of popular discourses“). 

Referenzen:

Dandysmus

Hipster


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2017


Verfasser: AS


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