Lexikon der Filmbegriffe

Improfilm

Kurzform aus: Improvisation + Film


Eher modische Kurzbezeichnung der 2000er und 2010er Jahre für Filme, denen nur ein Kurzdrehbuch zugrundeliegt oder die auch das Drehbuch in Kooperation mit den Schauspielern konzipieren. Vorformen finden sich in den Filmen der Nouvelle Vague in den 1960ern. Improvisierende Eingriffe in das Drehbuch, die einer spontanen Eingebung folgen und zu vom Drehbuch abweichenden Handeln der Schauspieler führen, finden sich in Einzelfällen der szenischen Inszenierung und der Anlage von Figuren seit Beginn der Filmgeschichte. Improvisation als Methode der Inszenierung oder der Festlegung des Schauspiels dient fast immer als Mittel der Unmittelbarkeit, um Charaktere zu authentifizieren oder natürliche Sprache einzufangen (und wird oft in der Inszenierung von Laien eingesetzt).


Ein Nachteil des Verfahrens ist das Nachlassen der Kontrolle über die Geschichte, die der Film am Ende erzählt, und über ihre szenische Ausgestaltung, der allerdings durch das Sinken der eigentlichen Produktionskosten aufgefangen wird.


Einen eigenen Umgang mit Improvisationen entwickelte John Cassavetes (etwa Shadows, 1959). Neuere Beispiele aus deutscher Produktion, die gleichzeitig die diversen Dimensionen eines durch die Improvisation gewonnenen Realismus-Moments verraten, sind Rocker (1972, Klaus Lemke), Halbe Treppe (2002, Andreas Dresen), Wenn der Richtige kommt (2003, Stefan Hillebrand, Oliver Paulus) über die Liebe einer Mannheimer Putzfrau oder Altersglühen – Speed Dating für Senioren (2014, Jan Schütte).


Literatur: Mouëllic, Gilles: Improvising cinema. Amsterdam: Amsterdam University Press 2013. – Dean, Roger / Smith, Hazel: Improvisation Hypermedia and the Arts since 1945. Hoboken: Taylor and Francis 2013 [1997]. 

Referenzen:

Improvisation

Stegreifspiel


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2017


Verfasser: AS


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