Lexikon der Filmbegriffe

Komponisten im Film

Immer wieder sind Filme über reale Komponisten als Figuren der Handlung seit Beginn der Filmgeschichte entstanden. Zum geringeren Teil handelt es sich dabei um dokumentarische Arbeiten – die meisten Filme sind Biographica oder sogar erfundene Geschichten. Es handelt sich meist um „Musikerfilme“, die der Glorifizierung der dargestellten Figur beitragen. Insofern spielen die Art der Musik sowie die Art des Instruments nur vordergründig eine Rolle. Vielmehr geht es um die Musiker als „Stars“, als typische zeitgenössische Publikums-Lieblinge und um die oft verborgenen Bedeutungen, die sie auf sich gezogen haben und oft noch lange nach ihrem Tod ziehen.


Die Musiker der Popmusik werden fast immer als performierende Künstler dargestellt, ihre kompositionellen Leistungen spielen fast nie eine Rolle. Darin knüpfen die Komponistenfilme an das Autorenprinzip der klassischen Musik (etwa im Konzertwesen) an, auch wenn es einige Versuche gibt, performierende Komponisten der Musikgeschichte mit Inszenierungsstrategien der Popkultur in Zusammenhang zu bringen (besonders auffällig ist immer noch Ken Russells Film Lisztomania [Großbritannien 1975]; erwähnt sei aber auch Milos Formans Film Amadeus [USA 1984], der Mozart in Kategorien des Punk zu fassen versucht, oder  Kurt Palms essayistisch angelegter Film Der Wadenmesser [Österreich 2005], in dem die Mozart-Figur als ästhetischer Provokateur ausgelegt wird). Die Filmographie zeigt, dass die im zeitgenössischen Konzertbetrieb populärsten Kompositeure auch im Film am häufigsten behandelt werden, allen voran Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, Liszt, Paganini und Johann Strauß, Jr. , deren Leben und Werk die Vorlage für Dutzende von Filmen geliefert haben – vom klassischen Biopic über die Schmonzette bis zum Experimentalfilm.


Gegenüber der Menge der realen Vorlagen-Komponisten nimmt sich die Zahl der Filme über fiktive Komponisten recht klein aus. Ein neueres Beispiel ist Trois couleurs: Bleu (Polen/Frankreich 1993, Krzysztof Kiesłowski) über die Vollendung eines „Konzerts für Europa“ durch die Frau des verstorbenen Komponisten.


Filmographie: Komponisten im Film. In: Medienwissenschaft: Berichte und Papiere, 95, 2009, URL: http://berichte.derwulff.de/0095_09.pdf.


Literatur: Mitchell, Charles P.: The great composers portrayed on film, 1913 through 2002. Jefferson, N.C.: McFarland 2004. – Tibbetts, John C.: Composers in the movies. Studies in musical biography . New Haven: Yale University Press 2005. 


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2017


Verfasser: HJW


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