Lexikon der Filmbegriffe

Simultaneität

dt.: Gleichzeitigkeit; bei der Zeitgleichheit zweier Ereignisse spricht man gelegentlich von „Nebenläufigkeit“; von frz.: simultanéité , von mittellat.: simultaneus


Die Darstellung der Gleichzeitigkeit verschiedener Teile eines Geschehens oder verschiedener Abläufe, die zur gleichen Zeit stattfinden, wirft in filmischer Repräsentation erhebliche Probleme auf (wenn man von der Kopräsenz der Ereignisse in der gleichen Einstellung absieht). Ein artifizieller Trick, die Simultaneität der Aufnahmen zweier Ereignisse sozusagen technisch auszustellen, ist die Split-Screen. Alle anderen Verfahren sind entweder auf symbolische (etwa mittels der Indikation der Zeit durch Uhren) oder sprachliche (gesprochen oder schriftlich) Mittel angewiesen oder nutzen konventionelle Mittel der Zeitdarstellung. Natürlich stellt sich die Frage nach der zeitlichen Extension der zentralen Ereignisse, ob es sich um einen engen oder einen weiteren Geschehenszeitraum handelt (ein Mord etwa gegen die Stunden eines Schiffsuntergangs). Gerade letztere Formen der Simultaneitäts-Repräsentation basieren auf Hypotheseleistungen der Zuschauer (basierend auf der Kenntnis filmischer Konventionen wie etwa bei der Parallelmontage oder auf allgemeinem Weltwissen über die zeitliche Ausdehnung von Handlungen und Ereignissen). Im Krimi ist manchmal die Frage nach dem Zeitverhältnis von Handlungen und Ereignissen sogar ein Kernthema der Ermittlungen, wird hier aber nicht filmisch, sondern narrativ mittels der Sammlung von Zeitindikatoren behandelt.


Literatur: Steiner, André: Filmisch inszenierte Simultaneität als Mittel der Darstellung nichtlinearer Szenarios. In: Simultaneität: Modelle der Gleichzeitigkeit in den Wissenschaften und Künsten. Hrsg. v. Philipp Hubmann & Till Julian Huss. Bielefeld: Transcript 2013, S. 381-400. 

Referenzen:

alterniertes Syntagma

cross cutting

Filmzeit

Parallelhandlung

vertikale Montage

Zeittotale


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2017


Verfasser: HJW


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