Lexikon der Filmbegriffe

parasoziale Interaktion

Begriff, der in den 1950er Jahren von Horton/Wohl für das Phänomen geprägt wurde, dass Rezipienten fiktive Personen, die sie aus Radio- oder Fernsehsendungen kennen, als reale Kommunikationspartner ansehen und so behandeln. Günter Anders hat 1956 in Die Antiquiertheit des Menschen (Kap.: „Die Welt als Phantom und Matrize“) erstmals in Deutschland beschrieben, dass Zuschauer für Serienfiguren häkelten oder bei Geburtsfällen Glückwunschtelegramme schickten.
Begünstigt wird die parasoziale Interaktion durch die direkte Ansprache der Medien Radio und Fernsehen und die kontinuierliche Wiederkehr der Personen im Programm, die somit als Lebensbegleiter verstanden werden können. Dies hilft bei der Exploration von neuen Rollen oder auch als Kommunikationssubstitut gegen Einsamkeit, kann in pathologischen Fällen aber auch zu Realitätsverlusten führen.

Literatur: Horton, Donald / Wohl, R. Richard: Mass communication and para-social interaction: Observations on intimacy at a distance. In: Psychiatry 19,3, 1956, S. 215-229; deutsch in: Ralf Adelmann [...] (Hrsg.): Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft. Konstanz: UVK 2002, S. 74-104. - Vorderer, Peter (Hrsg.): Fernsehen als „Beziehungskiste“. Parasoziale Beziehungen und Interaktionen mit TV-Personen. Opladen: Westdeutscher Verlag 1996.

Referenzen:

Paraperson


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2011


Verfasser: KJ


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