Lexikon der Filmbegriffe

perzeptuelle Ähnlichkeit / perzeptueller Realismus

Zwischen zwei Gegenständen liegt eine perzeptuelle Ähnlichkeit vor, wenn sie gleichartige Wahrnehmungserlebnisse hervorrufen. Ein Gegenstand ist danach einem Gegenstand perzeptuell ähnlich, wenn wir dem ersten auf Grund unserer Wahrnehmung (abhängig von Perspektive, Lichtverhältnissen, etc.) relevante visuelle Eigenschaften zuschreiben, die für den zweiten typisch sind. Filmgeschichtlich ist mit dem Begriff der perzeptuellen Ähnlichkeit eine terminologisch oft unklare Realismusdebatte verbunden. Insbesondere Siegfried Krakauer hatte den frühen Stummfilm als Weiterentwicklung der Fotografie aufgefasst und (wie in der Fotografie) eine realistische (Lumière) und eine formgebende (Méliès) Tendenz nicht nur unterschieden, sondern die realistische Tendenz als die eigentlich filmische bezeichnet, weil sie den spezifischen medialen Eigenschaften des Films am besten entspreche. Die Möglichkeit, mit Filmen physische Realität wiederzugeben, wird für Krakauer damit zugleich zum Kriterium ihres ästhetischen Wertes. Eine ähnliche Interpretation des Films als der Fotografie kongeniale Form der Wahrnehmungserweiterung findet sich auch in den Schriften von André Bazin. Sie wird vor allem in der semiotischen Filmtheorie kritisiert.

Literatur: Krakauer, Siegfried: Theorie des Films. Die Errettung der äußeren Wirklichkeit. Frankfurt: Suhrkamp 1985, 57ff. Zuerst engl.: New York: Oxford University Press 1960. – Andrew, Dudley: Concepts in Film Theory. Oxford [...]: Oxford University Press 1984.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KSH


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