Lexikon der Filmbegriffe

Übertragungseffekt

auch: Ausstrahlungseffekt, Partizipationseffekt; neuerdings meist: Spillover‑Effekt, Spillover oder Spill‑Over; bei der Übertragung positiver Images: Umbrella‑Effekt; von engl.: to spill = verschütten, überlaufen lassen


Als Übertragungseffekte bezeichnet man Bedeutungs- und Wertattributionsübertragungen eines Produktes auf ein anderes Produkt. Dazu können alle Elemente eines Films oder einer Produktion eingesetzt werden, vom Namen des Regisseurs (ein historisches Beispiel ist Alfred Hitchcock) bis hin zu den Images von Schauspielern (wenn etwa die gleichen „Traumpaare“ in ganzen Reihen von Filmen erneut eingesetzt werden, was für die Bewerbung der Filme von größter Bedeutung ist), von den Titeln von Bestseller-Vorlagen bis hin zur Nennung realer Ereignisse (wie das „Geiseldrama von Gladbeck“). Immer sind Übertragungen wissensbasiert, zapfen insbesondere affektive Qualitäten von Rezeptionserinnerungen an. Nicht immer müssen Übertragungen gelingen; so war die Bewerbung des Psycho-Thrillers À la folie ... pas du tout! (2002, Laetitia Colombani) durch den Verweis auf die  märchenhaft-leichte Geschichte Le fabuleux destin d’Amélie Poulain (2001, Jean‑Pierre Jeunet), der kurz vorher in der deutschen Kinoauswertung war, eher zum Schaden des späteren Films als zu seinem Nutzen.


Literatur: Plantinga, Carl R.: Moving Viewers. American Film and the Spectator's Experience. Berkeley [...]: University of California Press 2009, bes. 184-187. – Yegiyan, Narine S.: Explicating the Emotion Spillover Effect. At the Intersection of Motivational Activation, Resource Allocation, and Consolidation. In: Journal of Media Psychology 27,3, 2015, S. 134-145.


Artikel zuletzt geändert am 13.06.2017


Verfasser: HJW


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