Lexikon der Filmbegriffe

Alters-Mésalliance

Ein Sonderfall der „Mißheirat“ ist die Vermählung eines Paares mit deutlichem Altersunterschied. In manchen Beispielen ist die Differenz der Altersklassen extremifiziert (und wird damit zu einem eigenen oder sogar zum Hauptthema eines Films wie in Harold and Maude, USA 1971, Hal Ashby, oder in Ultimo tango a Parigi, Frankreich/Italien 1972, Bernardo Bertolucci). Vor allem in Übergangsphasen der Geschlechterrollensysteme wird die Altersdifferenz des Liebespaares wie eine Art von Projektionsfläche benutzt, auf der sowohl das männliche Verlangen nach Jugendlichkeit (des Partners und des eigenen Körpers) wie auch die Projektion von Vaterbildern auf den Sexualpartner greifbar gemacht werden kann. Manchmal auch – wie in Sabrina (USA 1954, Billy Wilder) – löst die junge Frau die Verhärtungen, die die allzu große Konzentration auf den Beruf beim Mann hervorgerufen hat.


Zahlreiche Bilder finden sich im deutschen Unterhaltungsfilm der 1950er – etwa in Bei der blonden Kathrein (BRD 1959, Hans Quest), in dem ein Baron (Hans Nielsen) um die 22 Jahre jüngere Titelheldin (Marianne Hold) freit, oder in Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt (BRD 1953, Rudolf Schündler), in dem ein Sägewerksbesitzer (O.E. Hasse) sich um eine junge Frau bemüht (Ingeborg Körner). In Der schräge Otto (BRD 1956, Geza von Cziffra) wird eine junge Tänzerin wird gleich von zwei reichen älteren Männern umworben (es sind Willi Fritsch und Johannes Riemann, die beide in der Nazizeit als verführerische Charmeure galten). In aller Regel bleibt es bei der Anbahnung der Heirat, tatsächlich heiraten die Frauen Altersgenossen. 

Referenzen:

Kindfrau

Lolita

Mésalliance


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: HJW


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