Lexikon der Filmbegriffe

Lýsis

von griech.: lýsis = Lösung, Auflösung, Beendigung; auch: Lyse (aus dem Frz.)


Ein sehr einfaches dramatisches Verlaufsmodell findet sich in Variationen seit der Aristotelischen Dramaturgie: Zunächst wird der Knoten der Handlung geknüpft, die tragische Konfiguration hergestellt (desis), der bzw. die schließlich wieder gelöst und (meist) zum tragischen Ende geführt wird (lýsis). Zwischen die beiden (die man auch als Anfang und Lösung des Dramas nominieren könnte) tritt in den meisten Darstellung ein Umschwung (metabasis, auch: metabole), sei es, dass er auf einer Einsicht oder Erkenntnis beruht (peripateia), sei es, dass es sich um eine Entdeckung oder Wiedererkennung handelt (anagnorisis). Erstere gilt als pragmatischer Umschwung der Handlung, die sich gegen die erwartete Wirkung entwickelt, die Handlungsabsicht also enttäuscht; letztere ist dagegen kognitiv verursacht, weil sie auf der Erkenntnis der Scheinhaftigkeit der Handlungsabsicht des Kontrahenten, auf der Illusionarität von Absichts- oder Charakterunterstellungen beruht, mit denen der eine den anderen wahrgenommen hatte (vorrangig nahestehende Personen wie Verwandte oder Freunde, weil die intensive emotionale Bindung an die andere Person und die Enttäuschung des Vertrauens Voraussetzung der tragischen Wirkung ist). 


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: CA


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