Lexikon der Filmbegriffe

Canuxploitation

selten auch: canucksploitation, tax shelter terror


Als Canuxploitation (der Neologismus wurde wohl 1999 von dem Magazin „Broken Pencil“ erfunden) bezeichnet man eine Gruppe von Genre-B-Filmen, die vor allem in den 1970ern und frühen 1980ern in Kanada gedreht wurden, um in den Genuss der dort seit 1974 gewährten Steuererleichterungen zu kommen. Es sind fast ausschließlich Horror-, SF-, Comedy-, Action- und andere Genrefilme. In der Geschichtsschreibung des kanadischen Films werden diese Filme meist ignoriert, weil sie sich so wenig in die dominanten Themen der kanadischen Produktioneneingliedern lassen, gleichwohl die Filme eigene Traditionslinien und thematische Schwerpunkte herausbildeten. Es sind Filme wie die frühen Filme David Cronenbergs (wie etwa Shivers / Parasiten‑Mörder, 1975), die Komödie The Apprenticeship of Duddy Kravitz (Duddy will hoch hinaus, 1974, Ted Kotcheff), das Coming-of-Age-Drama Lies My Father Told Me (1975, Ján Kadár), die Kanada als Drehort bekannt machten (und jungen kanadischen Filmemachern wie William Fruet, Ivan Reitman und Bob Clark erste Regiearbeiten ermöglichten), wenn auch schnell Genrefilme unter der Regie von amerikanischen Filmemachern die Vorherrschaft über die Produktion gewannen. So entstanden etwa die Splatter-Thriller Terror Train (Monster im Nacht‑Express , 1980, Roger Spottiswoode) und Prom Night (Prom Night ‑ Die Nacht des Schlächters, 1980, Paul Lynch).


Die Phase der Steuererleichterungen endete1982, doch hatten sich inzwischen Produktionsroutinen herausgebildet, die zu einer Verstetigung der kanadischen Genrefilm-Produktion führten. Heute werden auch Filme wie der Werwolf-Horror-Film Ginger Snaps (2000, John Fawcett) oder – neueren Datums – der Viren-Thriller Pontypool (2008, Bruce McDonald) oder der Selbstjustiz-Actionfilm Hobo with a Shotgun (2011, Jason Eisener) als Produkte der Canuxploitation gezählt – und sie zeigen die generische Vielfalt der heute erreichten Produktionslinien.


Literatur: Griffiths, Robin M: „Bitches, Bullies and Brutes“. Re‑Viewing Gender in 1970s Canuxploitation Cinema. [Paper 2017], URL: . – Mlynarz, Agnieszka: Maple Syrup Gore: From Sexploitation to Canuxploitation (Representations of Gender in the Canadian Horror Film). M.A. Thesis, Guelph (Ontario), University of Guelph 2017. – Taylor, Aaron: Blood in the Maple Syrup: Canon, Popular Genre and the Canuxploitation of Julian Roffman. In: Cineaction, 2003, S. 18‑28. 


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: JvH


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