Lexikon der Filmbegriffe

Klischee

von frz.: cliché; in der Druckersprache ist das cliché (dt.: Klischee) einen Druckstock; der damit hergestellte Probeabzug wird im Dt. als Abklatsch bezeichnet


Im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Klischee – eine aus der Druckersprache entlehnte Metapher – eine ehemals innovative Vorstellung, eine Redensart oder ein Stilmittel, die mittlerweile veraltet, abgenutzt oder überbeansprucht sind. Es ist ein Element kollektiven Symbol- und Stilwissens, das etwas kognitiv, sprachlich, akustisch oder visuell Schablonenhaftes darstellt und im schlechtesten Fall dem Bezeichneten reflexhaft übergestülpt wird, ohne im Detail bedacht zu sein und deshalb oft Vorurteilscharakter annimmt. Klischees sind den Stereotypen verwandt (im Film etwa den Nationalstereotypen, den Geschlechterrollenklischees oder generisch-narrativen Standard-Formeln). Auf klischierte Formeln – von Ausstattungsdetails, Dialogen bis zu Wendungen der Handlung, typifizierten Nebenfiguren bis zu formelhaft gewordenen Inszenierungen etwa der Spannungserzeugung – wird vor allem im Konfektionsfilm zurückgegriffen, vertrauend auf bewährte Stilmittel, um dramatische Effekte zu ermöglichen. Derartige Strategien werden aber schnell durchsichtig und wirken dann langweilig und ermüdend, die intendierte Wirkung bleibt aus – und die Rezeption fasst den Text das Imitation, als Übererfüllung der Genrecharakteristiken oder gar als camp-artige Parodie auf (die allerdings gar nicht intendiert war). Beispiele für die bewusst-überzeichnende Verwendung von Klischees, die ihre Lachanlässe gerade aus der Erkennbarkeit des Klischeehaften ziehen, sind Komödien etwa Mel Brooks‘ (Young Frankenstein, 1974) oder David Zuckers (The Naked Gun 2½, 1991, oder Top Secret!, 1984).


Literatur: Salis, Christian Georg: Der Böse steht noch einmal auf ... und andere Klischees aus Hollywood‑Filmen. Marburg: Schüren 2006. – Ebert, Roger: The bigger little book of Hollywood clichés. A greatly expanded and much improved compendium of movie clichés, stereotypes, obligatory scenes, Hackneyed formulas, shopworn conventions, and outdated archetypes. London: Virgin 1999. – Shaheen, Jack G.: Reel bad Arabs. How Hollywood vilifies a people. New York [...]: Olive Branch Press 2001. – Lema‑Hincapié, Andrés: Carlos Saura's Carmen: Hybridity and the Inescapable Cliche. In: Critical Studies 24, 2005, S. 151-165. 


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: HJW


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