Lexikon der Filmbegriffe

Vertrautenrede

Eher ungebräuchlicher, traditionell-dramaturgischer Begriff, der Gespräche zwischen Protagonisten und ihnen fest zugeordneten Nebenfiguren bezeichnet, die keine eigenen Interessen verfolgen und in der Regel auch nicht in den zentralen Konflikt resp. die zentrale Handlung involviert sind. Im Idealfall reagieren Vertraute uneigennützig und neutral auf die Probleme, Verstrickungen und Pläne, die ihnen anvertraut werden oder um die sie um Rat gefragt werden, wenn auch durch Sympathien mit dem Helden gefiltert. Der Vertraute als eine Figur, die zwar zum Figureninventar gehört, aber nicht in den Konflikt verstrickt ist, hat beratende, kommentierende und reflektierende Funktionen. Oft erfüllt er darüber hinaus Aufgaben der Informationsvergabe (wenn etwa der Held seine Pläne mit ihm bespricht, wenn die Vergangenheit des Protagonisten, des Antagonisten oder des Konflikts zur Sprache kommt, wenn die Interessen der verschiedenen am Konflikt beteiligten Parteien diskutiert werden u.ä.m.). Da das Gespräch mit Vertrauten meist nicht in der Öffentlichkeit, manchmal sogar im Geheimen stattfindet, ist das Vertrautengespräch sogar ein Szenentypus. Als Vertraute können neben Freunden, Mentoren, Lehrern usw. auch Diener auftreten, so dass es (vor allem in der Komödie) auf einer Art „sozialer Hinterbühne“ zur Aufhebung der Klassenverhältnisse der diegetischen Welt kommen kann. Manchmal wird der Vertraute mit den Funktionen des antiken Chors in Verbindung gebracht. Zudem kann der Vertraute als Stichwortgeber auftreten (und in der Komödie sogar direkt in die Handlung eingreifen), gelegentlich verkörpert er das Gewissen des Protagonisten.


Eine eigene Konfliktkonstellation ist dann gegeben, wenn das Vertrauensverhältnis, das die Vertrautenrede erst ermöglicht, vom Protagonisten nur unterstellt ist, der Vertraute tatsächlich aber Antagonist ist und in die Konflikte des Dramas einbezogen ist.


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: CA


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