Lexikon der Filmbegriffe

Schmierenkomödiant

Kompositum aus: Schmiere (= schlechtes Theater) und Komödiant; von jidd.: simrah (= Gesang); die Schmierenkomödie ist eine wohl aus dem 19. Jahrhundert stammende Bezeichnung für Theaterstücke, die meist von Jahrmarktsgauklern in der Art der grotesken Komik der Commedia dell’Arte aufgeführt wurden; engl.: ham, ham actor


Schauspieler, die ganz und gar lächerlich und unangemessen auftreten, die übertreibend und bis zur Karikatur überdeutlich spielen, werden oft Schmierenkomödianten genannt (selbst in dramatischen Rollen, die nicht komisch angelegt sind, die aber durch ihr Spiel das Drama ins Komische transformieren). In der Vergangenheit bezeichnete der Ausdruck oft das kleinbürgerliche oder proletarische Possen‑ oder Vaudeville‑Theater vor allem der Wanderbühnen; erst um 1900 wurde das grobe und übertreibende Schmierentheater als Ausdrucksform der Satire, der Farce und des Kabaretts wiederentdeckt. Bis heute wird das Schmierenspiel in Filmen über gewisse Formen des Theaterspiels als Karikatur von Schauspielen thematisiert (etwa in Filmen von Mel Brooks).


Die immer abwertende Bezeichnung ist heute außerhalb des Schauspiels in der wertenden Berichterstattung üblich als Kennzeichnung von Personen, die übertreibendes theatralisches Gebaren auf Alltagssituationen, vor allem in formalem Kontext (wie in der Politik, in Vereinsversammlungen etc.), übertragen.


Literatur:  Laster, Kathy / Steinert, Heinz: Von der Schmierenkomödie zur Broadway‑Show. To Be or not to Be und der polnische Widerstand – Mel Brooks' Nazi‑Spot und seine exzentrische Position. In: Lachen über Hitler ‑ Auschwitz‑Gelächter? Filmkomödie, Satire und Holocaust.  Hrsg. v. Margrit Frölich, Hanno Loewy u. Heinz Steinert. München: Ed. Text & Kritik 2003, S. 225‑244. 

Referenzen:

Ham

knockabout comedy


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: AS


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