Lexikon der Filmbegriffe

Blödelfilm

von dt.: blödeln (in der Bedeutung: absichtlich dummes Zeug oder Unsinn reden); von spätmhd.: blöd (= dumm), engl.: joking, fooling, talking nonsense


 


Schon zu Zeiten der Anarchokomödien der 1930er (etwa in den Filmen der Marx Brothers) war das Spiel mit der Sprache bis hin zur Sprachentstellung ein Mittel filmischer Komik, die sich bis in die Nachkriegszeit fortsetzte (in der BRD etwa in der Person Heinz Erhardts). Erinnert sei an die Sprachspielereien der Monty-Python-Gruppe. In den 1970ern entstand (auch im deutschen Sprachraum) eine neue Blödelkultur (mit Blödelbarden wie Ingo Insterburg, Otto Waalkes oder neuerdings Helge Schneider), in deren Gefolge eine ganze Reihe von damals sogenannten Blödelfilmen entstand. Aus amerikanischer Produktion gelangten Filme von Mel Brooks auch zum deutschen Publikum, ebenso Comedian-Filme wie Dumb and Dumber (USA 1994, Peter Farrelly, Bobby Farrelly). Heute wird der Begriff nur noch in der Fankommunikation eingesetzt – meist als Bezeichnung für Filme, die mit groben Formen der Komödie (wie sogar die gross out comedies) an den Grenzen des Unsinns (oder Nonsense) arbeiten.


Das Blödeln als komische Form gehört in die Traditionen der Kleinkunstbühnen; Künstler wie Karl Valentin markierten schon frühe Höhepunkte dieser oft subversiven, mit vorgeblicher Naivität und Kontrollverlust hantierenden Art des Lachenmachens. Manchmal wird das Blödeln als Akt der Regression angenommen, als Rückschritt auf eine die Semantik missachtende Form des Sprachgebrauchs (und damit auch als anarchischer Austritt aus dem Raum gesellschaftlicher Kontrolle).


Literatur: Wellershoff, Dieter: Infantilismus  als  Revolte  oder Das  ausgeschlagene Erbe. Zur Theorie  des  Blödelns. In: Wolfgang Preisendanz / Rainer Warning (Hrsg.): Das Komische. München: Fink 1976, S. 335-357 (Poetik und Hermeneutik. 7).

Referenzen:

Goofball comedy


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: AS


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