Lexikon der Filmbegriffe

queerbaiting

engl., dt. etwa: „mit homosexuellen Ködern ausstatten“; queerbaiting wird meist vom queer reading scharf getrennt – letzteres ist in diesem Verständnis eine geschlossene Uminterpretation des gesamten Textes


In der TV-Produktion und -Inszenierung von Spielhandlungen ist die Strategie des queerbaiting darauf angelegt, dem Zuschauer homoerotische Subtexte (etwa in der Beziehung von Figuren der Handlung) nahezulegen, ohne diese jedoch je explizit zu nominieren. Die Strategie dient wohl dazu, homoerotische Zuschauergruppen für das Programm zu interessieren, die allerdings gleichzeitig mit einer politischen Doppeldeutigkeit des Textes konfrontiert werden, dass das queere Verständnis suggeriert, in der Ausführung der Handlung aber abgewertet wird (bis zum Gebrauch sexistischer Witze oder zur expliziten Ablehnung jeder Art von Homosexualität). Queerbaiting wird oft als exploitative Strategie angesehen, die im Subtext eine andere Genderpolitik verfolgt als im Oberflächentext. Zu den Beispielen gehören Serien wie die BBC-Produktion Sherlock (2010ff), die amerikanische Mysteryserie  Supernatural (2005ff) oder die amerikanische Werwolf-Teenserie Teen Wolf (2011ff). Queerbaiting ist eine Polysemierung der Ausgangstexte in der Rezeption. Derartige Strategien finden sich auch in Fan-Studien, z.B. in der Verehrung von Stars (etwa an den Beispielen James Franco und Nick Jonas).


Literatur: Fathallah, Judith: Moriarty’s ghost: Or the queer disruption of the BBC’s Sherlock. In: Television & New Media 16,5, 2015, S. 490‑500. – Goldyn, Lawrence: Gratuitous language in appellate cases involving gay people: ,Queer bating‘ from the bench. In: Political Behavior 3,1, 1981, S. 31‑48. – Meyer, Michaela D.E. / Wood, Megan M.: Sexuality and teen television: Emerging adults respond to representations of queer identity on Glee. In: Sexuality & Culture 17,3, 2013, S. 434‑448. 


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: AS


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