Lexikon der Filmbegriffe

Redsploitation

seltene, in der Kritik formuliertes Kofferwort aus: red (als Sammelbezeichnung für Indianer) und exploitation (Ausbeutung, Ausplünderung)


Neben den Bildern des „edlen Wilden“ (noble savage) und denen des „wilden Wilden“ (savage savage) finden sich in der Geschichte der Indianerdarstellungen auch Zwischenformen, die sich den Indianerfiguren mit Sympathie nähern, ihnen aber kulturelle Fremdheit zugestehen. Die Filme der Redsploitation folgen aber nicht diesem ethnographischen Weg, sondern konfigurieren ihre Protagonisten als Genrefiguren des Bösen selbst. Sie erzählen – oft auf der Grenze zum Horror- und zum Splatterfilm – Rachegeschichten, die sich der Sympathien für die Protagonisten manchmal dadurch versichern, dass sie in der ersten Hälfte der Filme gefoltert werden, um dann in der zweiten blutige Rache zu nehmen; ein Beispiel für diese antirassistische Orientierung der frühen Redsploitation ist Johnny Firecloud (USA 1975, William Allen Castleman), der diverse Rassefanatiker tötet, die in das Reservat eingedrungen sind. War Party (USA 1988, Franc Roddam) beginnt mit der Rekonstruktion einer Schlacht zwischen Weißen und Indianern für Touristen, die sich in plötzlichen Ernst wandelt. Eine Variante dieses Musters erzählt von indianischen Geistern, die von Weißen geweckt werden, die indianische Kultstätten betreten (wie etwa in Scalps, USA 1983, Fred Olsen, oder in der Thunder Warrior Trilogy, Italien 1983, 1987, 1988, Fabrizio de Angelis) und die wiederum Rachetaten verüben oder auslösen. Horrorfilme wie Savage Harvest (USA 1994, Eric Stanze) brauchen nicht einmal mehr diese minimale Begegnung der Kulturen, um die Erde mit indianischen Rachegeistern zu bevölkern (allerdings behauptet der Regisseur und Drehbuchautor, dass der Film auf Geschichten gründe, die zur Indian lore gehörten und in der oralen Cherokee-Kultur der Gegenwart lebendig wären).


Spuren der Redsploitation finden sich in Kubricks The Shining (USA 1981), aber auch in Parodien wie Poultrygeist: Night of the Chicken Dead (USA 2006, Lloyd Kaufman, Gabriel Friedman), die beide auch von von Weißen überbauten indianischen Friedhöfen erzählen.

Referenzen:

Indianer

Indianerwestern


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: AS


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