Lexikon der Filmbegriffe

bare‑knuckle boxing

engl. = bloßfäustig, wörtlich: bloßer Fingerknöchel; auch: bare-knuckle fighting; im Dt. oft: Faustkampf 


Der Begriff bezeichnet das Boxen ohne Handschuhe. Die Kämpfe haben ein hohes Verletzungsrisiko und sind deshalb in den meisten Ländern verboten. Allerdings: Heute werden Kämpfe im Untergrund oft illegal durchgeführt (vor allem in Großbritannien, Irland, USA, Deutschland und Polen). Die Kämpfe sind inszeniert und finden vor Publikum statt (das unterscheidet sie von Schlägereien); oft sind sie von Wetten begleitet. Derartige Faustkämpfe gehören in die Geschichte der Kämpfe von Clans um die Macht in Stadtvierteln, um Erbstreitigkeiten und anderes mehr (einige Szenen in Gangs of New York; USA/BRD/Italien 2002, Martin Scorsese, erzählen von dieser Straßentradition des Faustkämpfens; in die Vorgeschichte des modernen Film-Faustkampfs des 18. Jahrhunderts verweist eine Szene in Barry Lyndon, Großbritannien 1975, Stanley Kubrick). Erst als sich das Boxen als regulierte Sportart um 1850 von den unregulierten Faustkämpfen löste, bildete sich das bare-buckle boxing als paralleler Männersport in der Illegalität heraus. Auch der Film nahm sich des Sujets an – und zeichnete den Faustkampf als ganz auf die Körperlichkeit der Kämpfenden zurückgeworfene Form des Geldverdienens von Männern der Unterschicht (wie in dem Depressionsdrama Hard Times, USA 1975, Walter Hill), als Möglichkeit von Einwanderern, in der neuen Kultur Fuß zu fassen (wie in Far and Away, USA 1992, Ron Howard), als halblegales Freizeitvergnügen von Arbeitern (wie in der Komödie um einen halbprofessionellen Faustkämpfer Every Which Way But Loose, USA 1978, James Fargo, mit Clint Eastwood). Ein eigenes Thema ist das Publikum der Faustkämpfe, das meist zynisch als Klasse von Reichen gezeichnet wird, die die Blutigkeit des Geschehens genießt und mit ihrem Geld die Kämpfe überhaupt erst ermöglicht (als eine Form radikaler Ausbeutung der Kämpfer, die fast ausnahmslos der lower class entstammen) – ein Zynismus, der auch die Gruppe der fast immer kriminellen Veranstalter kennzeichnet. Ein anderes Thema ist die ausgestellte Männlichkeit, die in der Verursachung und im Ertragen von Schmerz eine Vollendungsform männlichen Selbsterlebnisses findet (etwa in Fight Club, USA 1999, David Fincher).


Die Langzeitdokumentation Knuckle (Großbritannien/Irland 2011, Ian Palmer) verfolgt und analysiert über 12 Jahre hinweg die von außen mysteriös erscheinende Welt der irischen Traveler und die Bedeutungen, die der Faustkampf dort hat.


Literatur: Gorn, Elliott J.: The Manly Art. Bare‑Knuckle Prize Fighting in America. 2nd ed. Ithaca: Cornell University Press 2010. – Kusz, Kyle W.:  Fight Club and the Art/Politics of White Male Victimization and Reflexive Sadomasochism. In: International Review for the Sociology of Sport 37,3-4, 2002, S. 465-470. – Costantino, Jesús: Seeing without Feeling: Muybridge’s Boxing Pictures and the Rise of the Bourgeois Film Spectator. In: Film & History  44,2, Fall 2014, S. 66‑81.

Referenzen:

Boxerfilm / Boxer im Film

slugfest


Artikel zuletzt geändert am 25.10.2017


Verfasser: HJW


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