Lexikon der Filmbegriffe

Exorzismus im Film

latinis. aus griech.: exorkismós (= Hinausbeschwören); allgem. Bezeichnung der religiösen Praxis, Dämonen bzw. den Teufel, die in Menschen, in Tieren, in Orten oder in Dingen vermutet werden, auszu- bzw. zu vertreiben; auch: Teufels‑ oder Dämonenaustreibung 


In der Filmgeschichte finden sich nur wenige Beispiele, in denen die Erzählung um Praktiken der Teufelsaustreibung kreist (darunter Matka Joanna od aniolów, Polen 1961, Jerzy Kawalerowicz, über besessene Nonnen in einem Kloster in einem polnischen Dorf, oder Il demonio (Italien 1963, Brunello Rondi, über eine junge attraktive Frau, die als Besessene getötet wird). Erst The Exorcist (USA 1973, William Friedkin) brachte das Thema als Motiv ins Kino und als Thema in die öffentliche Diskussion und führte sogar im Osservatore Romano (1975) zu einer Stellungnahme der katholischen Kirche, Exorzismus-Anfragen ernstzunehmen. Hans‑Christian Schmids Film Requiem (BRD 2006) geht auf die tatsächliche Leidensgeschichte einer jungen Theologiestudentin aus den Jahren 1975 und 1976 zurück (der Fall wurde auch in Anneliese: The Exorcist Tapes, USA 2011, Jude Garard Prest, in einer Pseudoreportage dramatisiert; die Bezüge des US-Films The Exorcism of Emily Rose, 2005, Scott Derrickson, zu dem deutschen Fall sind eher dem Marketing als dem Film zuzuschreiben).


Es war der unerhörte und über viele Jahre anhaltende internationale Erfolg von The Ecorcist, der nicht nur einen director‘s cut (2001), sondern auch zwei Fortsetzungen (1977, 1990) sowie zwei Filme mit den Vorgeschichten des Ausgangsfilms anregte (2004, 2005). Außerdem entstanden eine ganze Reihe Horrorfilme, die Besessenheitsdarstellung mit exorzistischen Praktiken verbanden. Es mag die offensichtlich restaurativ-paternalistische Haltung sein, die man vielen der Filme ablesen kann, dass sich mehree Filme pseudodokumentarischer Erzähltechniken bedienten, um die eigene Glaubwürdigkeit zu unterstreichen (man denke an The Devil Inside, USA 2012, William Brent Bell). Es sind fast ausnahmslos junge Frauen, die sich in den Exorzismus-Filmen den Austreibungsritualen aussetzen müssen. Der Zusammenhang von erwachender weiblicher Sexualität und der Etikettierung als „besessen“ ist evident (schon in Il demonio, 1963), ebenso das Bemühen darum, die jungen Frauen in die althergebrachte patriarchalische Ordnung zurückzuwingen.


Literatur: Großhans, Sven: Das Schauspiel der Besessenheit. Exorzismus im Film. Berlin: Logos 2010. – McDonald II, Charles Austin: The Devil Made Her Do It: Three Horror Film Case Studies in the Exorcism Subgenre. Ph.D. Thesis, University of Alabama 2014. – Olson, Christopher J. / Reinhard, Carrie Lynn D.: Possessed women, haunted states. Cultural tensions in exorcism cinema. Lanham: Lexington Books 2017. 

Referenzen:

Geisterfilm / Gespensterfilm II: Geisterfilm

Teufelsaustreibung


Artikel zuletzt geändert am 25.10.2017


Verfasser: KB


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