Lexikon der Filmbegriffe

Produktionsästhetik

Der aus der der Literaturwissenschaft und der Kunstdidaktik stammende Begriff versucht, die Regeln und Verfahren der Produktherstellung – seien sie ästhetisch-poetischer, seinen sie handwerklicher Art – zu erfassen, um sie am Ende mit Fragen der ästhetischen Intentionalität und mit den Prozessen der Rezeption zu vermitteln (insofern gehören Produktions- und Rezeptionsästhetik dann wieder zusammen). Gerade im literarischen Schreiben geht es um den historischen Wandel von Strategien und Techniken des Schreibens, der Produktion bildender Kunst und der Musik, um historisch sich verändernde Stilistiken und Rhetoriken. Kunstproduktion wird idealerweise als individuierte Tätigkeit einzelner Künstler oder kleiner Kollektive angesehen, und sei es, dass man das abstrakte Konstrukt „Produzent“ einführt, um eine kontrollierende, sinn- und formgebende Instanz des Produktionsprozesses zu gewinnen. Komplexe, mehrstufige und arbeitsteilige Produktionsformen (wie die des Films) spielen für produktionsästhetische Untersuchungen so gut wie keine Rolle. Es geht in diesen weniger um eine empirische Untersuchung der Bedingungen von Produktion, ihrer ökonomischen und juristischen Rahmen, Prinzipien der Arbeitsteiligkeit, der Organisation oder des „Timing“ von Produktion, sondern letztlich um eine abgemagerte Vorstellung von Produktion als individueller Arbeit an einem „Produkt“ oder „Vorprodukt“. Im Film ist der Begriff darum (mit wenigen Ausnahmen in der Drehbuchforschung) ausgesprochen unüblich geblieben, auch wenn manchmal die Akteur-Netzwerk-Theorie als Konstrukt angesehen wurde, produktions- und rezeptionsästhetische Strukturen in einem umfassenderen Modell miteinander zu verbinden.


Literatur: Semsch, Klaus: Produktionsästhetik. In: Gerd Ueding [Hrsg.]: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. 7. Tübingen: Niemeyer  2005, S. 140-154. – Egenhofer, Sebastian: Produktionsästhetik. Zürich: Diaphanes 2010. – Rudloff, Holger: Produktionsästhetik und Produktionsdidaktik. Kunsttheoretische Voraussetzungen literarischer Produktion. Opladen: Westdeutscher Verlag 1990. 


Artikel zuletzt geändert am 25.10.2017


Verfasser: HJW


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