Lexikon der Filmbegriffe

Europudding

früher oft: Eurofilm

Vor allem im Rahmen einer Globalisierungskritik der Filmindustrie hat sich seit den 1990er Jahren die defätistische Rede vom Europudding als Bezeichnung international produzierter europäischer Filme eingebürgert. Filme wie Tom Tykwers Heaven (2001), der von einem deutschen Regisseur in Italien realisiert wurde, auf einem polnischen Skript basierte und unter anderem mit englischen, amerikanischen und australischen Schauspielern besetzt war, gelten als Beispiel für eine Filmproduktion, die ihre nationalen oder regionalen Besonderheiten eingebüßt habe. Ähnlich wie das für globalisierte Märkte konzipierte Hollywood-Kino sei das Europudding-Kino auf Selbstbezüglichkeit angewiesen, habe die Rückbindung an die einzelnen Kulturen Europas verloren. Die Erkennbarkeit des einzelnen Films sei verlorengegangen.
Eine Internationalisierung der Produktion hatte schon in den 1960er Jahren das europäische Kino erfasst, als vor allem Genreproduktionen mit internationalem Geld an Schauplätzen in Spanien oder Jugoslawien abgedreht wurden. Dass derartige Produktionsformate zur Risikostreuung und zur Anpassung an diverse Märkte dienen, sei ebenso vermerkt wie die – zynisch anmutende – Behauptung, der Übergang zur Europudding-Produktion sei ein Hinweis auf eine Homogenisierung der europäischen Märkte. Dem steht die hohe Popularität regional spezifischer Angebote im Fernsehen gegenüber.

Referenzen:

Europäische Koproduktion


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: JH


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