Lexikon der Filmbegriffe

Reprise (4)

Die Übertragung des Konzepts der Reprise auf die Filmdramaturgie im weiteren Sinne liegt nahe, auch wenn sie als textuelle Strategie nicht terminologisiert ist: Auch hier finden sich erneute Darbietungen von Szenen oder Geschehensabläufen, die zumeist subjektiv durch die Ankerfigur der Erzählung als traumatisierendes Erlebnis oder als wiederkehrende Erinnerung an Schlüsselerlebnisse der Biographie motiviert sind. Manchmal sind Wiederholungen auch variiert, bieten in der zweiten Präsentation also eine oft wesentlich veränderte Interpretation des Geschehens an, deuten also auf eine sich verändernde Bedeutung des Wiederholten für die Figur hin (man denke an den sich vervollständigenden Erinnerungs-Flash in Catch 22, USA 1970, Mike Nichols, der mit der Genese der Figur schließlich vollständig zu sehen ist, oder an einen immer vollständiger werdenden Videofilm in In the Valley of Elah, USA 2007, Paul Haggis, der den Vater des ermordeten Sohnes mit der Schuld des Sohnes konfrontiert und ihn in seinen tiefsten Überzeugungen verstört). Eine Variation im neueren Krimi fallen auch wiederkehrende und sich vervollständigende oder variierende Imaginationen eines Verbrechens in diese Strategie des Erzählens, die dem Zuschauer einen Blick auf die Hypothesen und Konstrukte des Ermittlers gestatten. 

Referenzen:


Artikel zuletzt geändert am 25.10.2017


Verfasser: HJW


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