Lexikon der Filmbegriffe

German Mumblecore

manchmal auch Berlin Mumblecore oder Berliner Flow


Bezeichnung für eine deutsche Filmbewegung und Stilrichtung, die Improvisation als wesentliches Gestaltungsmittel propagiert und dabei einem filmischen Realismus verpflichtet ist. Mit dem Motiv der Improvisation geht zugleich häufig eine thematische Fokussierung des Augenblicks einher, die auch dramaturgische Valenz besitzt. Als erster Beitrag zu dieser Bewegung gilt gemeinhin Nico Sommers Stiller Frühling (BRD 2008), dem bereits die für den German Mumblecore typische Anmutung des Dokumentarischen attestiert wurde. Neben Nico Sommer zählen mittlerweile Hannah Doose, Tom und Jakob Lass, Axel Ranisch, Isabell Suba und Aaron Lehmann zu den wichtigsten Vertretern des Stils. Obwohl der Begriff in Anlehnung an die US-amerikanische Mumblecore-Gruppe geprägt wurde, weisen die Genannten einen direkten Einfluss jedoch mehrheitlich zurück. Als prägend gelten aber deutsche Regisseure, die schon zuvor mit Improvisation gearbeitet haben wie z.B. Jan Georg Schütte, Andreas Dresen oder Klaus Lemke sowie die Akteure der Kölner Gruppe um Rainer Knepperges. Genauso offensichtlich scheinen die Verbindungslinien zur Dogma-95-Gruppe, zumal mit FOGMA und Sehr gutes Manifest in vergleichbarer Manier Regelwerke zur Filmherstellung lanciert wurden. Neben der ebenfalls stark an die Dogma-Bewegung erinnernden Bildsprache wird der Sprachduktus der Schauspieler, der im Kontrast zum populären Kino stärker an alltäglichem Sprachgebrauch orientiert ist, als ein wesentliches Charakteristikum angesehen. Im Zuge eines Diskurses um die Finanzierung der German-Mumblecore-Filme ist vermehrt Aufmerksamkeit auf die deutsche Filmförderung und -distribution gelenkt worden: Zum einen scheint sich die Förderung ohne bestehendes Drehbuch als äußerst schwierig zu gestalten; zum anderen bekommen die Filme trotz auffälliger Festival-Erfolge häufig nur eine sporadische Kinoauswertung.


Literatur: Dörre, Robert: Ohne Drehbuch. Zur Theorie und Ästhetik der Improvisation im Spielfilm am Beispiel des German Mumblecore. Masterarbeit, Universität zu Köln 2016. – Zywietz, Bernd: German Mumblecore. Video, Digitalisierung und Improvisation – aktuelle Freilandfilmer und ihre Welt. In: Harald Mühlbeyer und Bernd Zywietz (Hrsg.): Ansichtssache. Zum aktuellen deutschen Film. Marburg: Schüren 2013, S. 213-240.

Referenzen:

Mumblecore


Artikel zuletzt geändert am 24.04.2018


Verfasser: RoD


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