Lexikon der Filmbegriffe

dokumentarische Geste

auch: Geste des Dokumentarischen


Wohl in Anlehnung an Flussers Buch Gesten (1993) etablierte sich eine Redeweise, die die bekannte Bezeichnung eines textuellen „Gestus“ (etwa in Formulierungen wie:  romantischer oder neobarocker Gestus, Gestus der Trauer oder der Revolte), der die emotionale oder stilistische Färbung eines Textes umschreibt, auf die Unterstellung des ontologischen Modus eines Textes übertragen. Festgemacht wird die jeweils dominante Geste an im Text nachweisbaren Markierungen, Hinweisen und Eigenarten, die das Zeigen oder Zurschaustellen des Inhalts metaphorisch in einen zugrundeliegenden intentionalen Textakt einbettet und in Beziehung zum „Zeigen“ als leitendem kommunikativen Tun setzt.


Literatur: Flusser, Vilém: Gesten. Versuch einer Phänomenologie. Bensheim: Bollmann 1993. – Raith, Lena Theresa: Based on a true story... Über dokumentarische Gesten im Spielfilm. Masterarbeit, Universität Hildesheim 2015. – Koch, Gertrud: Die Gesten  des  Films,  die  filmische  Geste. Gibt es  einen Gestus  des  Films?  In: Gesten.  Inszenierung, Aufführung,  Praxis. Hrsg.v. Christoph Wulf und Erika Fischer‑Lichte. München: Fink 2010, S. 145‑153. – Tuschling, Anna: Aimée. Paranoide Tat und dokumentarische Geste. In: Ebner, Tim et al. (Hrsg.): Paranoia. Lektüren und Ausschreitungen des Verdachts. Wien: turia + kant 2015, S. 88‑105.


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: HJW


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