Lexikon der Filmbegriffe

Hamburger Filmmacher-Cooperative

Nachdem die Vorführung des subversiven Undergroundfilms Besonders Wertvoll (1968) von Hellmuth Costard, der zu den Klängen klassischer Musik einen sprechenden Penis Texte zur deutschen Filmförderung vortragen läßt und zudem eine Multiscreen äußerst kurzer Filmbilder zeigt, vor denen eine Hand masturbiert, auf den Oberhausener Kurzfilmtagen untersagt worden war, schlossen sich die Hamburger Filmemacher nach dem Vorbild der 1962 in New York von Jonas Mekas gegründeten Film‑Makers Cooperative zur Hamburger Filmmacher-Cooperative zusammen – zur Gruppe gehörten neben Costard auch Filmemacher wie Klaus Wyborny und Heinz Emigholz, Werner Nekes und Dore O., die Trickfilmer Helmut Herbst und Franz Winzentsen, der Ästhetik-Professor und Happening-Künstler Bazon Brock, die Kinomacher Werner Grassmann und Winfried Fedder (die 1970 das „Abaton-Kino“ als eines der ersten Programmkinos der BRD eröffneten). Es sollten Filme entstehen, die frei von kommerziellen Gesichtspunkten sein sollten und Film als Kunstform pflegten. Mit Grassmanns Ladenlokal „Studio 1“ in der Hamburger Neustadt (das nach kurzer Zeit in „Filmmacherei“ umbenannt wurde) hatte die Gruppe ein Zentrum, in dem sie Filme machen, zeigen und vor allem darüber diskutieren konnte. Noch 1968 realisierte die Cooperative die erste „Hamburger Filmschau“, die von Jungfilmern der Republik (unter ihnen Wenders und Fassbinder) weite Beachtung fand; der Verbund der Hamburger Filmer hatte längere Tradition – die Gruppe führte schon 1967 ein 72-stündiges „Film-in“ mit Undergroundfilmen durch. Im Rahmen der Cooperative entstand der Coop‑Verleih (bzw. Filmemacher Cooperative) mit mehr als 200 Kurzfilmen, die sich bald spaltete; die Fraktion der agitatorisch Gesinnten gründeten die Sozialistische Filmmacher Cooperative, die bis 1972 politische Filme realisierte und verlieh.


Zeitschrift: Filmartikel. Hrsg. v. Gruppe der Hamburger Filmmacher. Hamburg, 1.1967 bis 5.1969.


Literatur: Meueler, Christof: Das ZickZack‑Prinzip. Alfred Hilsberg – ein Leben für den Underground. München: Heyne 2016, Kap. 2: Wer Filmmacher ist, soll die Hand heben! Die Hamburger Filmmacher Cooperative.


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: HHM


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