Lexikon der Filmbegriffe

Papageno-Effekt

Als Papageno‑Effekt wird in der Medienwirkungsforschung ein Effekt bezeichnet, der dem Werther-Effekt strikt entgegensteht, gleichermaßen aber von einer modellhaft anmutenden Wirkungsbeziehung medialer Inhalte zum Selbstbild suizidaler Persönlichkeiten ausgeht. Beide Effekte sind von mittlerer Bedeutung (geschätzt 4% der realen Suizide gehen auf den Werther-Effekt zurück; von ähnlicher Bedeutung scheint der Papageno-Effekt zu sein). Der Effekt erhielt seinen Namen nach einer suizidalen Episode der Papageno-Figur aus Mozarts Zauberflöte, der den Verlust seiner geliebten Papagena befürchtete; in letzter Minute können ihn die vom Himmel herabgestiegenen Knaben davon überzeugen, dass er die Kraft habe, Papagena für sich zu gewinnen. Gestützt ist die Forschung zum Papageno-Effekt auf Zeitungsberichte über Betroffene, die Krisensituationen konstruktiv und ohne suizidales Verhalten bewältigen konnten. Es steht die Hypothese im Raum, dass auch Filme nicht nur zur modellhaften Bildung von Verhaltens- und Entscheidungsvorbildern von Rezipienten dienen, sondern ebenso zur Prävention und vor allem zur Verarbeitung akuter suizidaler Lebensepisoden dienen können. Eine empirische Validierung der Annahme steht aber aus (Stand: 2017).


Literatur: Niederkrotenthaler Thomas / Voracek Martin / Till, Benedikt [...]: Role of media reports in completed and prevented suicide: Werther v. Papageno effects. In: The British Journal of Psychiatry 197, 2010, S. 234-243. – Scherr Sebastian / Steinleitner Anna: Zwischen dem Werther‑ und Papageno‑Effekt. In: Nervenarzt 86, 2015, S. 557-565.


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: HJW


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