Lexikon der Filmbegriffe

Rosetta-Plan

frz.: plan Rosetta


Nachdem der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Film Rosetta (Belgien/Frankreich 1999) von Jean‑Pierre und Luc Dardenne – das Porträt einer jungen Frau, die mit ihrer alkoholsüchtigen Mutter am Rande einer belgischen Stadt auf einem Campingplatz haust und verbissen darum kämpft, einer geregelten Arbeit nachzugehen und nicht in die Verwahrlosung abzugleiten – in Belgien eine ganz ungewöhnliche Popularität gewonnen hatte, weil er das Problem der Jugendarbeitslosigkeit mit schonungsloser Härte erzählt und damit einem sozialen Problem der Jetztzeit dramatischen Ausdruck verliehen hatte, stellte die belgische Arbeitsministerin noch im gleichen Jahr einen „Jugendbeschäftigungsplan“ vor, der garantieren sollte, dass alle Jugendliche sechs Monate nach ihrem Schulabschluss in Arbeitsverträge eingetreten sein sollten – ohne dass sie eine Absprache mit den protestierenden Arbeitgeberverbänden und den irritierten Gewerkschaften getroffen hätte. Der Plan wurde nach wenigen Änderungen noch 1999 zum Gesetz. Das Régime des premiers emplois wurde in der Presse sogleich als Rosetta-Plan bezeichnet.


Der Rosetta-Plan ist eines der wenigen Beispiele – man könnte noch auf Ken Loachs TV-Film Cathy Come Home (Großbritannien1966) verweisen, der zu einer heftigen Parlaments-Debatte führte –, deren Wirkungsgeschichte unmittelbare politische Konsequenzen hatte.


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: JvH


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