Lexikon der Filmbegriffe

rude films (1)

vom engl. Slangausdruck: rude (= Bezeichnung eines unbedarften oder dummen Mannes vom Lande), dt. etwa: Bauertölpel-Filme, Bauerntrottel-Filme; wohl hergeleitet aus dem Namen „Reuben“


Die Differenz von Stadt und Land als Sphären der Modernisierung und des Festhaltens an der Tradition bildet von Beginn der Filmgeschichte an einen Vorwurf dramatischer Verwicklungen. Meist muss sich ein Bauer (oder Bauernsohn) mit den neuen Realitäten städtischen Lebens auseinander setzen. Gerade in der Frühzeit des Kinos wird das Kino selbst zu einer solchen unbekannten Realitätsillusion, die z.B. in Edwin S. Porters Uncle Josh at the MovingPicture (USA 1902), in dem der Titelheld die Schöne eines Films, den er besichtigt, für seine Tochter hält und in den Film (sprich: die Leinwand) einzudringen sucht. Die Figur thematisiert die Herausforderungen vor allem urbaner Lebenswelten, der die Menschen ausgesetzt sind – und die Übergänge in eine slapstickhafte Ausführung der Begegnung von rude und Umwelt sind vorgezeichnet. Spuren dieser Versetzung von einer Lebenswelt in eine andere finden sich auch in filmischen Fabeln (wie der Aesop-Geschichte von „Stadtmaus und Landmaus“ etwa in dem Film gleichen Titels der Gebrüder Diehl, 1939), aber auch noch in Detlev Bucks mittellangem Film Erst die Arbeit und dann? (BRD 1985) über eine Nacht, die der tumbe Sohn eines ebenso tumben Bauern im Nachtleben Hamburgs verbringt.


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: KB


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