Lexikon der Filmbegriffe

Rufmord

engl.: character assassination


Eine öffentliche Person unglaubhaft zu machen, mag persönliche Rache sein, juristischen und ökonomischen Motiven folgen (wie in The Insider, USA 1999, Michael Mann) oder sich als Denunziation als Strategie nachbarschaftlicher Konfliktaustragung erweisen. Immer geht es in der Konstellation des „Rufmordes" darum, eine Person durch haltlose Unterstellungen oder Übertreibungen zu einem Außenseiter zu stempeln, sie radikal zu isolieren und auszugrenzen. Rufmorde haben immer eine Täter‑ und eine Opferrolle; erstere ist oft als Kollektivrolle interpretiert, wogegen letztere meistens Individuen (manchmal einschließlich ihrer Familien) betrifft. Perspektivisch ziehen eher die Opfer die Sympathien der Zuschauer auf sich (die seltenen Ausnahmen zeigen meist auch, dass die Schuld von Denunzianten und Rufmördern juristisch nicht geltend gemacht werden kann). Ein bis heute bekanntes Beispiel ist Die verlorene Ehre der Katharina Blum (BRD 1975, Volker Schlöndorff), die Verfilmung eines Buchs von Heinrich Böll; die Geschichte erweist sich schnell als düstere Globalkritik an der Macht der Presse und ihrer Kooperation mit anderen Institutionen der Macht, die einzelne zu Opfern von Rufmord werden zu lassen.


Literatur: Schertz, Christian: Rufmord und Medienopfer. Die Verletzung der persönlichen Ehre. Berlin: Links 2008. ‑ Nies, Martin: „Rufmord an einer Bayerwald‑Ikone". Biografische Metafiktion, Heimat‑Dichtung und Emanzipation im Emerenz Meier‑Film Wildfeuer (1991). In: Skandal und Tabubruch ‑ heile Welt und Heimat. Hrsg. v. Jan‑Oliver Decker. Passau: Stutz 2014, S. 315‑335. – Bergmann, Jens / Pörksen, Bernhard (Hrsg.) Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung. Köln: Von Halem 2009.

Referenzen:

Schmutzkampagne


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: JvH


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