Lexikon der Filmbegriffe

Schmutzkampagne

engl.: dirty campaigning; abgemildert: negative campaigning; verwandt mit „Rufmord" (engl.: character assassination) 


Schmutzkampagnen – ein Begriff der politischen Kommunikation – spielen in der Dramaturgie eine Rolle, wenn Träger öffentlicher Ämter krimineller Aktivitäten, perverser sexueller Praktiken oder verbotener Beziehungen (etwa der Korruption) zu anderen öffentlichen Akteuren bezichtigt werden, um ihren Ruf zu schädigen (bis zum Rufmord) und sie aus der politischen oder ökonomischen Verantwortung herauszudrängen. Die Schmutzkampagne spielt in der realen politischen Kommunikation (vor allem in Wahlkämpfen) immer wieder eine Rolle und wird regelmäßig auch im Film thematisiert. Vor allem sexuelle Abweichung ist ein Thema der Film‑Kampagnen gewesen: Ein bekanntes Beispiel ist The Best Man (USA 1963, Franklin J. Schaffner), in dem einem Politiker homosexuelle Beziehungen unterstellt werden; ähnlich wird in The Contender (USA/BRD/Großbritannien 2000, Rod Lurie) eine Senatorin mit gefälschten Gruppensex‑Bildern bloßgestellt; in dem TV‑Thriller Ein gefährliches Angebot (BRD 2015, Hannu Salonen) werden einem Firmenchef kinderpornographische Bilder unterschoben und Grundlage einer anonymen Anzeige, um ihn aus der Firma zu drängen. Truth (USA 2015, James Vanderbilt) handelt von den Verstrickungen des späteren US‑Präsidenten George W. Bush in die Militäradministration während des Vietnamkriegs, thematisiert allerdings auch die Verlässlichkeit des Belegmaterials.


Historische Fälle sind selten dramatisiert worden; ein besonderer Fall ist die Dreyfus‑Affäre aus den 1890er Jahren um einen französischen Hauptmann, der des Landesverrats bezichtigt und verurteilt worden war, eine Tatsache, die Anlass zu landesweitem Protest wurde (vgl. dazu neben Filmen wie Dreyfus, Deutschland 1930, Richard Oswald, und I Accuse, Großbritannien 1957, José Ferrer, den Dokumentarfilm J‘accuse, Frankreich 1998, Robert Bober, Pierre Dumayet). Heutzutage sind Webvideos in Sozialen Medien eine der wichtigsten Formen der Schmutzkampagne, im US‑Wahlkampf 2016 etwa Videos, die Hillary Clintons körperliche Eignung für das Präsidentenamt in Zweifel ziehen sollten.


Literatur: Mark, David: Going dirty. The art of negative campaigning. Lanham, Mad. [...]: Rowman & Littlefield 2006. – Rabl, Martina: Politische Imagekampagnen. Negative & Dirty Campaigning: Moderne Wahlkampfstrategien. Saarbrücken: AV Akademikerverlag 2017. 

Referenzen:

Rufmord


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: JvH


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