Lexikon der Filmbegriffe

Stakker-Videos

Die rasend schnell geschnittenen „Stakker-Videos“, die in den Unterhaltungsdispositiven der Diskotheken der Zeit öfters eingesetzt wurden, setzten nicht darauf, als Filme rezipiert zu werden, sondern waren als Teile einer multisensorisch gestalteten Kunstwelt konzipiert, zu der auch Licht-Shows (vor allem als stroboskopisches Licht, als gestaltete Show von Farb-Effekten und -Wechseln u.ä.) und vor allem – als eigentlich tragendes Element – der Rhythmus und der Klang der Tanzmusik gehörten. Stakker-Videos wurden von Mark McClean and Colin Scott zunächst als Live-Events, später dann als Videos produziert. Die bekanntesten Beispiele sind das unter dem Label „Stakker“ vertriebene Eurotechno (Großbritannien 1989) und das dem Acid-House-Stil zugerechnete Projekt Stakker Humanoid (Großbritannien 1989). Es geht auf ein Projekt McCleans, Scotts und Marek Pytels zurück und wird in enger Verbindung zu den ästhetischen Formaten des acid techno sound gesehen. Ähnlich bekannt ist The Evil Acid Baron Show (Großbritannien 1988/89), der – wie andere Stakker-Videos auch – auf fremdartige 3D-Landschaften der frühen Computeranimation zurückgeht, farbmodulierte Porträts integriert und vor allem Elemente der Inszenierung der Flicker-Filme zurückgreift.


Manche Elemente der Stakker-Videos spielten auch in der Praxis der Video-Jockeys eine Rolle, wurden zudem schnell eine konventionelle Folie für avantgardistische, dem Underground zugerechnete elektronische Musik. Verwiesen sei insbesondere auf die Videos des unter dem Pseudonym „Aphex Twin“ bekannten englischen Musikers Richard David James, der wiederum eigene viel meditativere, an Traditionen des avantgardistischen Films orientierte inhaltsorientierte Wege mit seinen Videos wie Westworld (Großbritannien 1995) zu gehen versuchte.


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: HJW


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