Lexikon der Filmbegriffe

true crime television shows

oft nur: true crime; auch im Dt. üblich


True‑Crime‑Formate präsentieren alte, reale Kriminalfälle zählen seit Beginn der Kriminalliteratur zu den Urformen der Reklamierung des dem Krimi inhärenten Realismus von Handlung und Milieu. Eine geradezu boomartige Vermehrung nahm das Genre, das im Kriminalfilm- und -fernsehen lange Traditionen hat (man denke an die deutsche TV-Krimi-Serie Stahlnetz, 1958-68, 1999-2003, oder die ZDF-Fahndungssendung Aktenzeichen XY #SYMBOL  \f "Symbol"188 ungelöst, 1967ff), im Gefolge der Reality-TV-Erfolge der 1990er. Das Genre funktioniert sogar gedruckt als Magazin, wie bei Stern Crime, oder ohne Bilder – eine Mutter des Hypes ist die Podcast‑Serie Serial (zwölf Folgen über einen verurteilten Mörder). Es gibt inzwischen (Stand: 2017) sogar den US-Spartensender „Investigation Discovery“, der ausschließlich True-Crime-Formate ausstrahlt.


Es haben sich seitdem zwei Kernformen ausgebildet – dokumentarisch orientierten Formen, die die „Polizei bei der Arbeit“ zeigen, und reinszenierte, spielartige „Fortsetzungsgeschichten mit charismatischer Hauptfigur“. Zu den bekanntesten Beispielen zählen Murder She Solved (Kanada 1010-13),  Making a Murderer (USA 2015ff), The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst (USA 2015), Cold Justice (USA 2013ff) usw.; selbst ältere Serien haben das True-Crime-Format adaptiert (wie etwa Law & Order True Crime, USA 2017ff). Die Inszenierung sucht oft Spannungselemente zu integrieren; ein Anspruch auf Authentizität tritt dagegen deutlich in den Hintergrund (Ausnahmen wie der deutsche  TV-Film Das Versprechen, 2016, Karin Steinberger, Marcus Vetter, der Interviews mit dem Verurteilten im Gefängnis oder Gespräche mit ehemaligen Ermittlungsbeamten integriert, bleiben die Ausnahme).


Literatur: Cavender, Gray / Fishman, Mark: Television reality crime programs: Context and history. In: Entertaining crime. Television reality programs. Ed. by Mark Fishman & Gray Cavender. New York: Aldine de Gruyter 1998, S. 3‑15. – Eschholz, Sarah / Chiricos, Ted / Gertz, Marc:  Television and fear of crime: Program types, audience traits, and the mediating effect of perceived neighborhood racial composition. In: Social Problems 50,3, 2003, S. 395‑415.

Referenzen:

True crime movies


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: HHM


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