Lexikon der Filmbegriffe

Zarzuela-Film

Der opéra comique oder der Operette verwandt ist die Zarzuela eine typisch spanische, wohl im Barock entstandene Gattung des Musiktheaters, mit abwechselnd gesprochenem und gesungenem Text. Die Musik der modernen Zarzuelas des späten 19. und des 20. Jahrhunderts besteht überwiegend aus originalen Kompositionen, ergänzt um Volkslieder oder populäre Schlager, die zur Handlung passend ausgewählt wurden. Schon zur Zeit der Nadeltonverfahren entstanden kurze Filme mit Zarzuela-Szenen (wie insbesonders die Filme Segundo de Chomóns wie El hotel eléctrico, 1908, oder Symphonie bizarre, 1909). Noch in der Stummfilmzeit entstanden lange Zarzuela-Adaptionen (wie Moros y cristianos, 1926, Maximiliano Thous); seit den 1930ern gehörten sie zu den beliebtesten Gattungen des spanischen Musikfilms, griffen weiterhin meist auf Bühnen-Stücke bzw. -Operetten zurück. Neben komischen Stoffen finden sich zahlreiche melodramatische Varianten. Dazu zählt etwa die Inkognito-Geschichte El rey que rabió (1940, José Buchs), die Erzählung der Sängerin, die in das Dorf zurückkehrt, in dem sie ihre Tochter zurückgelassen hatte (Maravilla, 1957, Javier Setó), La verbena de la Paloma (1963) nach der Zarzuela von 1894 bis hin zu den sieben Zarzuela-Adaptionen für das spanische Fernsehen, die Juan de Orduña – der schon in den 1930ern derartige Stoffe verfilmt hatte – verantwortete (zu ihnen zählt etwa El caserío, 1972). Zwar galt die Zarzuela vor allem nach dem Ende des Franco-Regimes als reaktionäre Form des Theaters, doch seit den späten 1990ern zieht sie als generische Mischform der Ausdrucksmittel neue Aufmerksamkeit auf sich. Dazu rechnen etwa der Showfilm Zarzuela en Femenino (2014) über die weiblichen Charaktere der Zarzuela oder der Musicalfilm Zarzuela en Masculino (2016, beide von Leslie Calvo) über zwei grundlegend verschiedene Männerrollen der Gattung.


Spielarten der Zarzuela und des Zarzuela-Films entstanden auch in anderen spanischsprachigen Ländern wie Kuba, Mexiko, Argentinien oder den Philippinen.


Literatur: Alier, Roger (ed.): Diccionario de la zarzuela. Biografías de compositores. Aargumentos y comentarios musicales sobre las principales zarzuelas del repertorio actual. Madrid [...]: Ed. Daimon 1986. - Arce, Julio: The Sound of Silent Film in Spain: Heterogeneity and homeopatía escénica. In: Music, Sound, and the Moving Image 4,2, 2010, S. 139‑160. – Thomas, Susan: Adolfo Bustamante's María la O (1948) and the Cinematic Transformation of Cuban Zarzuela. In: Music and the Moving Image 9,2, 2016, S. 3‑22. – Morgan, Rikki: Nostalgia and the Contemporary Spanish Musical Film. In: Revista Canadiense de estudios hispánicos 20,1, 1995, S. 151‑166. 


Artikel zuletzt geändert am 05.04.2018


Verfasser: JH


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