Lexikon der Filmbegriffe

Ghallywood


Kofferwort aus: Ghana + Hollywood



Die Geschichte der ghanaischen Filmindustrie beginnt 1948, als das britische Information Services Department die Gold Coast Film Unit gründete. Einer der ersten Filme von überregionaler Bedeutung war die Komödie I Told You So (1970, Egbert Adjesu) über einen Vater, der sich weigert, seiner Tochter die Heirat mit einem Reichen zu gestatten. Contratto carnale (1973, Giorgio Bontempi) war eine erste italienisch-ghanaische Koproduktion über Geschäftemacherei im nachkolonialen Ghana. Fast wie eine Sozialstudie nimmt sich Kukurantumi ‑ Road to Accra (BRD/Ghana 1983, King Ampaw) aus: der Arbeitsplatzverlust führt zum Verfall einer ganzen Familie. Internationale Aufmerksamkeit gewann der kolonialismuskritische Film Heritage Africa (1989, Kwaw Ansah) über einen Schwarzen, der sich ganz der britischen Kultur unterwirft, zum Distriktskommissar aufsteigt; so sehr er die afrikanischen Wurzeln der eigenen Identität verleugnet, so schwer fällt es ihm, sie am Ende wiederzugewinnen. Die Vorliebe für manchmal in epischer Breite erzählende Stoffe, die in den Städten spielen, ist bis heute erhalten geblieben.


Heute werden die Filme fast ausschließlich auf Video realisiert. Schon in den 1980ern entwickelten sich Kooperationen mit der nigerianischen Filmindustrie. Heute sind viele Filme Koproduktionen beider Länder. Nicht nur, dass die Crews aus beiden Ländern gemischt werden, die Filme werden auch in beiden Ländern ausgewertet. Ghanaische Schauspielerinnen (wie Nadia Buari, Yvonne Nelson, Lydia Forson und Jackie Appiah) und Schauspieler (wie Van Vicker und Majid Michel) sind in beiden Ländern Stars. Die 2005 von William Awuku Akuffo gegründete Schauspielschule Ghallywood African Film Village (in der Nähe von Accra) bildet heute ca. 200 Akteure pro Jahr aus.


Filmographie: Aveh, Africanus: Ghanaian Video Films of the 1990s: An Annotated Select Filmography. In: Matatu 21‑22, 2000, S. 283‑300.


Literatur: Garritano, Carmela: Contesting authenticities: the emergence of local video production in Ghana. In: Critical Arts: A Journal of South‑North Cultural Studies 22,1, 2008, S. 21‑48. – Meyer, Birgit: Ghanaian Popular Cinema and the Magic in and of Film. In:  Magic and Modernity. Interfaces of Revelation and Concealment. Ed. by Birgit Meyer & Peter Pels. Stanford: Stanford University Press 2003, S. 200‑222. – Meyer, Birgit: Visions of Blood, Sex and Money. Fantasy Spaces in Popular Ghanaian Cinema. In: Visual Anthropology 16, 2003, S. 15-41. – Sutherland‑Addy, Esi: The Ghanaian feature video phenomenon: Thematic concerns and aesthetic resources. In: Matatu 21,1, 2000, S. 265‑277. 

Referenzen:

Nollywood


Artikel zuletzt geändert am 24.04.2018


Verfasser: JvH


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